Page 10 - Mailorder Katalog
P. 10

10

nodepression

Jade Jackson –                                       aber nie alles zusammen. Dieses vierte Soloalbum
                                                     des Kumpels von Nikki Lane, Felice Brothers und
Gilded                21,95/14,95                    langjährigem Mitglied von Old Crow Medicine
                                                     Show ist oldschoolige Wertarbeit, die Americana
LP (+DLC)/CD. Eine weitere erlesene Entdeck-         mit Hillbilly-Folk und viel Country verbindet. Die
                                                     Songs sind höchstens mittelschnell und wirken
ung des bemerkenswert treffsicheren Anti-Labels:     wissend und erhaben, was auch an der tollen
                                                     Stimme liegt, die mich ein ums andere Mal an Neil
Für mich wie aus dem Nichts auftauchend schenkt      Diamond erinnert - zu Herzen gehende Balladen-
                                                     Grandezza von zeitloser Klasse. Als Gäste sind
uns die erstaunlich junge Singer-Songwriterin mit    u.a. Karen Elson, First Aid Kits Klara Soderberg
                                                     und Ross Holmes (Mumford & Sons) dabei. (Joe
Gilded ein derart roh-reifen, rauh-kantig-geschlif-  Whirlypop)

fenen Americana-Edelstein, dass es eine einzige      Shelby lynne & allison
                                                     moorer – Not Dark Yet 23,95/14,95
Entdecker-Freude ist und bleibt. Eben noch sagten
                                                     LP/CD. Mit dieser 2017er tonträgergewordenen
mir weder Gesicht noch Name der Frau aus Santa       Kollaboration erfüllt sich nicht nur für mich ein
                                                     langgehegter Wunschtraum, spätestens seit den
Margerita irgendetwas, und schon nach wenigen        gemeinsamen Auftritten der beiden gesegneten
                                                     Schwestern mit der bewegten, nicht immer glück-
Hörgängen ihrer elf Alternative Country-Kostbar-     lichen Geschichte zählte ein solches Gemein-
                                                     schaftswerk zu den heißest ersehnten Alben der
keiten geht sie mir nicht mehr aus dem Sinn, zu      Americana-Gemeinde. Auch die Akteurinnen
                                                     selbst pflegten den Gedanken an eine Studio-
nah an dem Wahren, Echten und Bleibenden agiert      Zusammenarbeit über Jahre, erst jetzt aber, nach
                                                     zahlreichen großartigen Solo-Veröffentlichungen
sie mit ihrer kleinen, aber feinen Mannschaft unter  und so manch verworfenem Duo-Ansatz, hat die-
                                                     ses Wurzel-Wunschobjekt endlich seine finale,
der beherzt-rauhbeinigen Produktion von Mike         faszinierende Form angenommen, wobei die bei-
                                                     den traumgleich harmonierenden Stimmen ihre
Ness. Mit nur wenigen, gezielt gesetzten Gast-       Zusammenarbeit mit vorsichtigen Schritten begin-
                                                     nen. Obwohl beide in den vergangenen Jahrzehn-
Beigaben von Ness (Gitarre), Greg Leisz (Pedal       ten nicht nur als berührende Sängerinnen, sondern
                                                     vor allem auch als Songautorinnen beeindrucken
Steel) und Sara Watkins (Fiddle) ist es das perfekt  konnten, nutzten sie neun Weisen fremder Feder,
                                                     um ihrem ersten Studio-Paarlauf die wohlgewähl-
auf den Twang-Punkt muszierende Quartett um          te Song-Basis zu verleihen. Die ein oder andere
                                                     erwartbare Lied-Vorgabe (Lungs/Townes van
die becircend-schillernde, gleichzeitig lakonische   Zandt, Every Time You Leave/Louvin Brothers,
                                                     Silver Wings/Merle Haggard, The Color Of A
und leidenschaftliche Stimme der vom ersten          Cloudy Day/Isbell & Shires, das titelgebende
                                                     Dylan-Stück) steht dabei gleichberechtigt neben
Moment an bezaubernden Protagonistin, die die        zunächst überraschend wirkenden Interpretations-
                                                     Kandidaten (My List/The Killers, Into My Arms/
rauh-knarzenden, beherzt verzerrten Alternative      Nick Cave, Lithium/Kurt Cobain), aber unter der
                                                     einfühlsamen Produktion von Teddy Thompson
Country-Weiten füllt, dabei wohlige Erinnerungen     und der gepflegt-pointierten Begleitung von Doug
                                                     Pettibone (Gitarren), Ben Pealer (Steel Guitar)
an selige Buddy Miller-Alben und Resentments-        und Benmont Tench (Keyboards), vor allem aber
                                                     durch den nahezu zaubrisch sicheren
/JD Graham-Glanzmomente weckend, klassischen         Harmoniegesang der hör- und spürbar verwandten
                                                     Gesangs-Seelen werden die meist wehmütigen
Country Rock, sogar holpernden Honky Tonk            Weisen geeint in einer feinfühlig arrangierten
                                                     Mischung aus zurückhaltendem Akustik-Folk,
zelebrierend und im torkelnden Boom-Chicka           klassischem Country, zerrendem Roots-Rock und
                                                     deftigen Soul-Spitzen, wobei aber stets die alles
Boom schwankend, vor allem aber derart gelun-        bestimmenden Stimmen im Zentrum des genialen
                                                     Geschehens stehen. Erst zum Ende aber zeigt die
gen im goldenen Roots-/Desert-Rock-Dreieck           Schwestern-Komposition Is It Too Much, wohin
                                                     die Schwestern-Reise womöglich noch führen
zwischen handgemachtem Hazeldine-Charme,             kann und gibt ein fesselndes Versprechen, dessen

reif-zurückgelehnter Lucinda Williams-Larmo-

yanz und herzwärmender Tift Merritt- Weichheit

spielend, dass es die eben noch klaren Sinne aufs

Verlockendste nachhaltig vernebelt. Köstlich

klare, genial griffige Akkorde, packend-deftige

Gitarren-Melodien und sattester Rhythmusgrund,

der die Band mitunter sogar in belebende

Uptempo-Regionen trägt, ohne dabei je das ver-

zückend-verführerische Zentrum des grandiosen

Geschehens aus der Ruhe zu bringen, lassen ein

song-sattes, ebenso vergleichsreiches wie absolut

eigenständiges, rundum beglückendes Americana-

Album entstehen, dass sich schon jetzt aufmacht,

um es sich neben Car Wheels so richtig gemütlich

zu machen. Ein wahrer Schatz, ein echter

Edelstein für jeden, der einen Singer Songwriter-

Kunst-Kern in rauher Roots Rock-Schale zu

schätzen weiß. (cpa)

Gill landry - Love Rides A

Dark Horse            21,95/14,95

LP (+MP3)/CD. Angenehm altmodisches

Melancholia-Country-Album, das mich an den

einen oder anderen der ganz Großen erinnert:

Porter Wagoner, Townes Van Zandt, Waylon

Jennings, sogar Johnny Cash. Gill Landry singt

seine überwiegend traurigen Lieder mit sonorer

Stimme, die Arrangements sind extrem reduziert.

Teils ohne Drums, dafür mit edler Twanggitarre,

Pedal Steel, Fiddle, Harmonica oder Trompete –
   5   6   7   8   9   10   11   12   13   14   15