Page 10 - November 2018
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                    depression
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           Jon Brooks –               der knorrig gereifte Americana-Meister zurück zu
           No One Travels Alone  14,95  den frühen Tagen, um gemeinsam mit den damali-
           CD.  Bereits  sechstes  Song-Werk  dieses  gen Begleitern Winston Watson (Drums), Tommy
                                      Larkins (Drums) und Scott Garber (Bass) und den
           Paradebeispiels für die kernig-kreative kanadische  aktuellen  Giant  Sand-Genossen  Gabriel  Sullivan
           Singer-Songwriter-Schule, dessen Schaffen in der  und Annie Dolan das Werk mit dem weise wüten-
           hiesigen Geschmacksdiaspora immer nur in recht  den Blick der Erfahrung neu einzuspielen. Die elf
           überschaubaren Zeitfenstern greifbar ist (die fünf  Songs  werden  in  der  ursprünglich  geplanten
           Vorgänger sind hierzulande samt & sonders gestri-  Reihenfolge  gereicht,  und  bei  aller  Reife  der
           chen).  In  seinen  elf  neuen  Originalen  weiß  der  Beteiligten klingt es erfreulich kraftvoll, mitunter
           ebenso  instrumental  versierte  wie  wortgewandte  sogar mitreissend rauh, vor allem aber vielschich-
           Liedschmied seine Erzählkunst in mal knapp-karg  tiger, als noch von der Erstfassung im Ohr. In der
           gehaltenen Vignetten, mal auch spielerisch ausla-  Hälfte der Zeit des Originals aufgenommen, klin-
           dend  ausgestatteten  Balladen-Großtaten  zu  kon-  gen  die  elf  von  zum  Teil  lustvoll  verzerrten  E-
           zentrieren, zwischen erdnahem Banjo-Folk, redu-  Gitarren  getriebenen  Rock-Kraftstücke  immer
           ziertem  Folk-Blues,  reifem  Country-  &  Roots  noch erstaunlich ungebremst und roh, spielen aber
           Rock und weise gesetzten Weltmusik-Elementen  Dank Howe’s auch stimmlicher Fortentwicklung
           seinen naturverbunden artistischen Ansatz zu ver-  weit  mehr  in  den  inzwischen  gewohnt  weitge-
           feinern  und  auch  als  Gitarrist,  Tampura-Spieler  steckten Grenzen des stilistisch kaum greifbaren
           oder  Hammond-Organist  zu  glänzen.  Begleitet  Giant  Sand-Kosmos,  und  bilden  eine  reife
           von  einer  kleinen,  feinen,  wohlgewählten  Rückkehr zu den wütenden Wurzeln. (cpa)
           Musikermannschaft  kleidet  er  seine  anspruchs-
           voll-ehrlichen Texte, die er durch eine viktoriani-  J.p. Harris - Sometimes Dogs
           sche Corona zu einer Einheit verbindet (die letzte  Bark At Nothing                     18,95/14,95
           Zeile des ausklingenden Liedes bildet den Beginn  LP/CD. Bodenständiger Americana-Sound mit der
           des folgenden), in eine Roots-Reife, die auch den  einen oder anderen Tendenz in Richtung Cosmic.
           Kenner lächeln macht, zumal allein seine schnei-  Es beginnt mit kernigem Country-Rock mit ent-
           dend-intensive  Stimme  zwischen  Jon  Dee  fesselter   Steelguitar   und   Background-
           Graham, John Mellencamp, John Hiatt, Terry Lee  Chormietzen  –  so  rockt  man  jeden  Honkytonk-
           Hale  und  Graham  Parker  ihn  schon  für  einen  Saloon. Auch der zweite Song bleibt im traditio-
           Auftritt in seligen OBS-Tagen prädestiniert hätte.  nellen  Country-Genre  verwurzelt,  durchaus  mit
           Seliger  Singer-Songwriter-Stoff,  den  Verehrern  einer  guten  Portion  Neil  Diamond-Pathos,  aber
           der  oben  genannten  Namen  wärmstens  weiter-  gekonnt. Im Weiteren erweist sich der Mann aus
           empfohlen. (cpa)           Montgomery,  Alabama  für  meinen  Geschmack
           Calexico – The Thread      aber  auch  als  legitimer  Nachfolger  von  Gram
           That Keeps Us                 21,95/18,95/8,95  Parsons. Mal klassisch beschwingt mit Fiddle und
                                      traumhaft  schöner  Pedal  Steel,  wie  einst  zu
           LP/ltd.  2-CD/CD.  Das  neunte  Studioalbum  der  „Grievous  Angel“-Zeiten  („When  I  Quit
           Lieblingsband  aus  Tucson,  Arizona.  Da  kann  Drinking“),  mal  satt  rockend  mit  E-Gittare  zu
           natürlich   nichts   schiefgehen,   denn   am  Steelguitar, furios! Und dann wird es sogar noch
           Grundkonzept  der  Vorgänger  hat  sich  nichts  schöner, denn gemeinsam mit einer ungenannten
           Wesentliches  geändert.  Nachdem  man  meistens  Gastsängerin  erweist  „Runaway“  den  schönsten
           im  heimischen  Wavelab-Studio  von  Craig  Duetten von Gram Parsons und Emmylou Harris
           Schumacher  aufgenommen  hat,  ist  „The  Thread  Referenz.  „Long Ways  Back“  offenbart  dagegen
           That  Keeps  Us“  diesmal  an  der  Pazifikküste  im  eine neue Seite von J.P. Harris: er kommt nämlich
           Norden  Kaliforniens  entstanden,  aber  eben  doch  auch nahe an den Laidback- Western Swing von
           wieder  mit  dem  gewohnten  Producerteam.  Wie  Willie  Nelson  heran.  Produziert  hat  Morgan
           immer  sind  auch  hier  drei,  vier  Nummern  mit  Jahnig  von  Old  Crow  Medicine  Show.  (Joe
           TexMex-, Cumbia- und Rumba-Flavor dabei, ein-  Whirlypop)
           mal  auch  wieder  von  Joey  Burns  auf  Spanisch
           gesungen  („Flores  Y  Tamales“).  Der  Bandname  Gregory Alan Isakov –
           („California  +  Mexico“)  ist  also  mehr  denn  je  Evening Machines                             16,95
           Programm dieser ebenso einzigartigen wie bestän-  CD.  18er,  4.  LP  des  Singer-Songwriters  aus
           digen Band.  (Joe Whirlypop)  Colorado.  Nach  Top-Kritiken  für  die  Vorgänger
           Obacht:  Die  limitierte  CD  bietet  auf  einem  u.a.  unterwegs  gewesen  mit  Iron  &  Wine,  Josh
           Bonustonträger 7 (sieben) zusätzliche Stücke.  Ritter  (an  der  er  ab  und  zu  etwas  erinnert), Ani
           Giant Sand – Returns To    DiFranco, Brandi Carlisle. Songwriter-Folk bzw.
           Valley Of Rain            24,95/21,95/14,95  Folk Pop stehen im Vordergrund, in verschiedener
           Ltd.  col.  LP/LP/CD.  Knapp  35  Jahre  nach  den  Form,  extrem  hoher  Balladenanteil,  zwi-
                                      schendurch  mal  Abstecher  in  etwas  handfestere
           ersten Aufnahmen zu den Songs, die 1985 dann  Heartland-Gefilde, ziemlich ländlichen Sound mit
           als  Debütalbum  von  Howe  Gelb’s  Haupt-  Country-Touch  und  zugleich  einem  Hauch  The
           Bandinkarnation  bei  Enigma  Records  das  Licht  Band. Gleich 2x dachte ich an einen zeitgenössi-
           der Veröffentlichung erblicken sollten, begibt sich
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