Page 10 - Glitterhouse Katalog
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               depression
       no





      ryan Bingham –             eine  Idee  näher,  stellen  sie  hier  doch  13  Songs
      American Love Song  28,95/14,95  lang  ihr  ganzes  spielerisches  und  stimmliches
      2-LP/CD. 19er. Nach 4 Jahren Pause endlich was  Können in den Dienst des Liedes, wobei die Wahl
                                 der  Fremdfeder-Weisen  eine  bemerkenswert
      Neues, Charlie Sexton co-produzierte (und spielte
      vermutlich Gitarre). Seine reizvolle emotionsrei-  gelungene  ist.  Die  ganze  Ausdrucksbreite  ihrer
                                 Stimmen  in  ein-,  zwei-,  drei-  und  vierlagigen
      che Stimme sticht wie gewohnt heraus (klasse!),
      teils  effektvoll  von  Backing  Vocals  unterstützt  Gesangssätzen  ausnutzend,  die  mit  Gitarre,
                                 Kontrabass,  Mandoline,  Fiddle  und  Klavier
      (mit  manchmal  gospel-artigen  Untertönen),  das
      Songmaterial  ist  großteils  hervorragend,  ein  gekonnt gefüllten Arrangements bewusst karg und
                                 klar haltend, übertragen die vier 13 erlesene Songs
      gewisses  Southern-Feeling  (entsprechend  seiner
      Herkunft) fast überall präsent, Gitarren dominie-  aus  verschiedenen  Quellen  (u.a.  von  Tom  Petty,
                                 Alton  Delmore,  John  Lennon,  Beck,  James
      ren  die  Begleitung  (meist  akust./elektr.  kombi-
      niert,  beides  mehrfach  wirkungsvoll  als  Slide,  Hunter,  den  Louvin  Brothers  und  den  Rolling
                                 Stones) in ihre ebenso traditionssichere wie eige-
      auch Pedal Steel), Mandoline, Piano ergänzen ab
      und zu. Im Vordergrund steht zum einen allumfas-  ne  Bluegrass-Welt,  dass  es  eine  einzige,  reine
                                 Freude ist. Wurzelwahre Feierstunde für bleibende
      sende  Roots-Grandezza,  angerockt,  fast  stamp-
      fend, saftig und richtig hart rockend, Rock´n´Roll-  Songs. (cpa)
      angehaucht,  oder  ein  bischen  elegisch/hymnisch  Howe Gelb –
      samt   ansatzweise   suggestiv-hypnotischer  Gathered                               17,95/12,95
      Sogwirkung (großartig!), inkl. geiler kurzer säure-  LP/CD.  Im  weiten  Wüsten-Schaffen  von  Grand
      haltiger  oder  mächtig  scharfer  kurzer  Gitarren-  Seigneur Gelb ist es fast müßig, sich um profane
      Features, teils moderat bluesig betont. Zum ande-  Dinge wie Zahlen, Daten und Fakten zu sorgen,
      ren  relaxt  schaukelnder  melodisch  infektiöser  und  so  soll  uns  die  Label-Versicherung,  dass  es
      Folk Rock (und mehr), partiell akustisch. Sowie  sich  beim  2019er  Album  Gathered  um  das  24.
      diverse   ganz   unterschiedliche   Balladen:  Solo-Studioalbum des Giant Sand-Grafen handelt,
      Vielschichtige  Americana  (mit  leichter  Blues/  als grundgebendes Faktum dienen. Aber selbst die
      R´n´B-Betonung,  herrlich  filigran  und  mehrdi-  Sortierung  der  Giant  Sand-,  Giant  Giant  Sand-
      mensional arrangiert, hymnisch überhöht); sparta-  oder Band Of Blacky Ranchette-Alben in Band-
      nisch-intensiver  Songwriter-Country  (ein  Hauch  und  Solo-Schaffen  fällt  nicht  immer  leicht,  und
      & Townes, deep Southern); multipel rootsig (ein-  mancher Alleingang ist so hochkarätig gastbesetzt,
      fühlsam und geradezu zauberhaft, ein faszinieren-  dass  man  kaum  noch  von  Einzelarbeit  sprechen
      der  Song!);  folkig  betonte  Americana  (ganz  möchte. Wichtig aber ist, dass wir nach zwei vor-
      schlicht doch enorm ausdrucksstark). Dylan-esker  wiegend  Jazz-gefärbten  Standards-Veröffentlich-
      süffiger freier Roots-Stoff und 2 tolle Deep Blues-  ungen  mit  Gathered  wieder  ein  genuines  Gelb-
      Tracks (mit uralten Wurzeln, aber ohne dort stehen  Album  vor  uns  haben,  bei  dem  er  sich  freilich
      zu  bleiben,  elektrifiziert,  Spuren  von  Gospel)  nicht um die Wünsche und Befindlichkeiten seiner
      ergänzen. Je 2,3 Mal fühlte ich mich an John Hiatt  treuen  Gefolgschaft  kümmert,  aber  uns  dennoch
      sowie  die  beste  Phase  der  Stones  (die  Mick  ganz nebenbei eine grandios gelassene Essenz sei-
      Taylor-Jahre) erinnert. Dicke Empfehlung! (dvd)  ner Kunst kredenzt. Nachhaltig geprägt von seinen
      J.J. Cale – Stay Around   24,95/15,95  jüngsten  Jazz-Ausflügen,  aber  ebenso  tief  im
      2-LP/CD.  Respektvolle  Reise  durch  die  Cale-  Wüstensand verwurzelt, gleichzeitig von vielerlei
      Archive, Rari- und Exklusivitäten-Sammlung für  Gästen in verschiedenste Richtungen gezogen und
      den  Kenner,  zusammengestellt  von  seiner  dennoch  immer  wieder  seinen  unverkennbaren
      langjährigen  Partnerin  im  Leben  und  im  Dickkopf  durchsetzend,  mitunter  im  eigensinni-
      Gitarrenspiel  Christine  Lakeland.  15  Song-  gen Alleingang,  mal  im  kongenialen  Duett,  mal
      Seltenheiten  incl.  Lights  Down  Low,  Chasing  vokal-befreit rein instrumental, mal in Backporch-
      You, Winter Snow, Stay Around, My Baby Blues,  Band-Begleitung, mal zu gestopfter Trompete und
      Girl Of Mine, Go Downtown,  Tell Daddy, Wish  gebestem  Schlagwerk  feiert  der  Sänger  mit  der
      You  Were  Here,  Long  About  Sundown,  Maria,  sonor-knarzigen  Stimme  seine  Sicht  der  hohen
      Don’t Call Me Joe.         Kunst  der  Ballade,  mal  knöcheltief  im  von  ihm
      Chatham County line –      selbst  über  Jahrzehnte  mitgeschaffenen  und  -
                                 geprägten  Americana-Wüstensand  watend,  mal
      Sharing The Covers  23,95/14,95  pianoperlend dem Geist des Tangos in einer ver-
      LP  (+DLC)/CD.  Die  klassische  Tradition  des  raucht-verruchten kubanischen Bar nachtrauernd.
      Bluegrass  respektieren  und  dennoch  die  harmo-  Zwischen den beiden prägenden Polen Alternative
      niereiche, auch spieltechnisch meisterliche Kunst  Country  und  dezentem  Swing  schwelgt  Gelb,
      verlustfrei  ins  Hier  und  Jetzt  tragen,  das  gelingt  Gitarre  wie  Klavier  gleichermaßen  gekonnt  mit
      dem Quartett aus North Carolina seit mittlerweile  gefühlvollem  Leben  füllend,  in  der  herbstlichen
      8  ansprechenden Alben. Auch  diese  2019er Yep  Farbvielfalt seiner ebenso stil-reichen wie –siche-
      Roc-Veröffentlichung macht da keine Ausnahme,  ren  Wüstenwelt,  dabei  gleichermaßen  Howe-
      vielleicht  kommen  sie  ihrem  Ideal  der  auf  aku-  Eigenheiten   wie   gekonnt   angeeignete
      stisch-natürliche Weise verbundenen Welten noch  Fremdstücke  (Moon  River,  Leonard  Cohen’s  A
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