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                                    Glitterbeat               11
           nordafrikanischer Dudelsack, oder die Gasba, eine  singt,  anderswo  in  call-and-response-artigen
           Flöte), was kurzzeitig eine ganz dezent marokka-  Duetten begeistert bzw. im Wechsel agiert, schon
           nische  Note  erzeugt.  Auch  Piano,  Electronics  mal eine gewisse Chor-Funktion ausüben. Sogar
           kommen punktuell zum Einsatz. Fazit: Ein unge-  an Huun Huur Tu fühle ich mich sporadisch leicht
           heuer  intensives  Werk,  massiv  aktualisierte  erinnert.  Die  Begleitung  scheint  (es  gibt  leider
           manchmal  hypnotische  bzw.  irgendwie  fremdar-  keine  Besetzungs-Infos,  und  die  Identifizierung
           tig-Trance-artige  phasenweise  enorm  aggressive  finde  ich  schwer)  von  unterschiedlich  vielen
           Ritualmusik  mit  teilweise  völlig  ungewohnten  Musikern  zu  stammen,  als  Fixpunkt  ein
           „modernen“ Mitteln, die kurzzeitig auch schama-  Harmonium (schon mal ziemlich durchdringend),
           nische,  rauschhafte  Züge  annimmt  –  und  mich  teils  möglicherweise  auch  2,  plus,  vermute  ich,
           mächtig  fasziniert!  Große  Empfehlung.  Vinyl  hier  und  da  Tamboura  (Tanpura),  Sitar-ähnlich,
           180g, Klappcover. (dvd)    doch  reines  Begleitinstrument  (mit  weniger
           kel assouf –               Saiten/ohne Bünde), die Sounds durchdringen sich
           Black Tenere     17,75/15,75  und bilden untrennbare Klangflächen, ab und zu
           LP  (+DLC)/CD.  19er.  This  is  not  your  average  aber  auch  monochromere.  Und  besitzen  einen
                                      starken Drone-Charakter! Die Stücke sind teilwei-
           Tuareg band! Das Trio um den Sänger/Gitarristen
           Aboubacar  Anana  Harouna  verblüfft  über  weite  se ausgesprochen getragen gespielt, langsam, fast
                                      feierlich,  Rhythmen  nur  durch  die  Stimme
           Strecken. Klingt der Opener noch relativ ähnlich
           wie von Tinariwen, Tamikrest & Co gewohnt (ok,  geformt,  mal  ein  dezent  melancholischer
                                      Grundton, im Extrem beim mit 19 Min. längsten
           etwas  rockiger,  die  diversen  Gitarren  schärfer,
           teils sehr repetitiv, einige feine Melodien/Motive),  Track  in  Ultra-Zeitlupe  (Rhythmen  kaum  merk-
                                      lich),  die  pure,  berauschend  wirkende,  absolut
           mit sattem Groove, Klatschen statt Drums (die in
           fast  allen  restlichen  Stücken  eingesetzt  werden,  hypnotische Trance-Musik! Einige Stücke jedoch
                                      bieten deutlich mehr rhythmische Betonung, set-
           manchmal ziemlich turbulent, viel Becken), geht
           es  anschließend  weit  weit  darüber  hinaus:  Gar  zen Tablas ein, sind lebhafter, ereignisreicher, agi-
                                      ler, auch komplexer bzw. auf ungewohnte Weise
           mächtig  rockend  mit  Tendenz  zum  Früh-70er
           Hard  Rock  (nur  gesanglich  wird  hier  wie  auch  polyrhythmisch  im  vertrackten  Zusammenspiel
                                      von  („unruhigen“)  Tablas,  Harmonium  und
           überall sonst Harounas Tuareg- Herkunft deutlich,
           samt  der  Melodik)  inkl.  einer  Art  Prog-Psyche-  Stimme  (klasse!),  oder  ziehen  im  Gegenteil
                                      straight-lineare  Rhythmen  durch,  mit  ebenfalls
           Arab-Rock-Break; rhythmisch besonders reizvolle
           Stücke  abseits  von  orthodoxen  Rock-Schemata  einem gewissen Trance-Effekt. Durch und durch
                                      spirituelle  Musik,  denke  ich,  mit  hohem
           (knallharter hochtouriger Tuareg-Rock mit spirali-
           gen  Gitarren-Figuren  bzw.  Heavy  Rock  mit  Faszinationsfaktor, wenn man sich drauf einläßt,
                                      dicke  Empfehlung!  Grammy-Gewinner  Ian
           Stoner-Spuren;  oder  so  etwas  wie  Tuareg-Acid-
           Desert-Rock,  scharf  akzentuiert  stark  pumpend);  Brennan produzierte. Vinyl 180g im Klappcover.
                                      (dvd)
           elegischer  sehnsuchtsvoller  zugleich  lyrischer
           (ruhiger/balladesker)   Tuareg   Rock   (mit  Fofoulah – Daega Rek  LP (+DLC)/CD       17,75/15,75
           Mellotron-ähnlichen Keyboards; bei allen anderen  Gaye Su Akyol – Istikrarli
           Tracks bedient Tastenmann Sofyann Ben Youssef,  Hayal Hakikattir LP (+DLC)/CD                      17,75/15,75
           bekannt als Chef von Ammar 808 und hier auch  Bixiga 70 –
           Producer,  v.a.  die  Hammond  Orgel,  gelegentlich  Quebra Cabeca 2-LP (+DLC)/CD                   24,75/15,75
           Synthie); im längsten Stück gibt´s denn auch ein  Stella Chiweshe – Kasawah-
           ausgiebiges  sehr  reizvolles  Hammond-Feature,  The Early Singles    LP (+DLC)/CD            17,75/15,75
           leicht psychedelisch auf spezielle Art, gefolgt von  Yonatan Gat –
           schwer  stampfenden,  dann  tanzenden  bis  tricky  UniversalistsLP (+DLC)/CD   17,75/15,75
           70s-Anleihen; toll und eigen kommt ein teils stak-  Ammar 808 –
           katohafter,  sagen  wir,  „Tuareg-Acid-Space/  Maghreb United    LP (+DLC)/CD                    17,75/15,75
           Psychedelia-Rocker“; genauso begeistert mich das  Samba Toure – Wande  LP (+DLC)/CD      17,75/15,75
           (auch melodisch) wunderschöne, ganz zarte, poe-  Sonido Gallo Negro –
           tische, butterweiche, fast schwerelose „Tamatant“  Mambo Cosmico      LP (+DLC)/CD            17,75/15,75
           – nur der Gesang und eine (verhallte) E-Gitarre.  Park Jiha – Communion  LP (+DLC)/CD      17,75/15,75
           Tuareg-typische Bestandteile wie Call-Response-  Dirtmusic –
           Vocals  tauchen  nur  1x  (ein  bischen)  auf,  die  Bu Bir Ruya     LP (+DLC)/CD                     17,75/15,75
           Gitarren  besitzen  ebenfalls  eine  andere  ToodArt –
           Charakteristik  (oft  distorted)  –  nicht  aber,  wie  Laissez Passer    LP (+DLC)/CD                  17,75/15,75
           erwähnt,  die  Gesangsmelodien.  Und  die  Texte  Abatwa (The Pygmy) – Why Did We Stop
           behandeln  Tuareg-spezifische  Themen  und  Growing Tall?  LP (+DLC)/CD                      17,75/15,75
           Probleme,  teils  mit  politischem  Gehalt.  „A  leap  Jupiter & Okwess –
           forward in the modern Tuareg sound… truly radi-  Kin Sonic      LP (+DLC)/CD                            17,75/15,75
           cal“ meinte der Guardian, fürwahr, so etwas hab  Ifriqiyya Electrique –
           ich  noch  nicht  gehört.  Etwas  sehr  Besonderes.  Ruwahine     LP (+DLC)/CD                             17,75/15,75
           Vinyl 180g, Klappcover. (dvd)    Tamikrest – Kidal    LP (+DLC)/CD             17,75/15,75
           Ustad Saami –              King Ayisoba –
                                      1000 Can Die   LP (+DLC)/CD                     17,75/15,75
           God Is Not A Terrorist  17,75/15,75  Bargou 08 - Targ LP (+DLC)/CD                17,75/15,75
           LP  (+DLC)/CD.  19er.  Der  „Meistersänger“  aus  BaBa ZuLa – XX   2-LP (+CD)/2-CD            25,75/17,75
           Pakistan  (fürwahr!)  erforscht  und  erweckt  uralte  Gaye Su Akyol – Hologram
           vor-islamische  Musik-Traditionen,  im  Stil  des  Imparatorlugu LP (+DLC)/CD  17,75/15,75
           „Khayal“  (Qawwali-Vorläufer)  –  was  sich  für  Orkesta Mendoza -
           ungeübte europäische Ohren nicht soo viel anders  Vamos A Guarachar!   LP (+DLC)/CD           17,75/15,75
           als  andere  traditionelle  pakistanische  Klänge  Noura Mint Seymali –
           anhört, aber insgesamt durchaus ein wenig mehr  Arbina      LP (+DLC)/CD                                   17,75/15,75
           Abwechslung bietet, als ich es von anderen Acts  Khmer Rouge Survivors -
           der  Gegend  kenne.  Vocals  first!  Und  wie!  They Will Kill You, If You Cry LP +DLC/CD   17,75/15,75
           Kraftvoll,   wunderbar   phrasiert,   kleinste  Afro-Haitian Experimental Orchestra –
           Tonhöhenverschiebungen  (in  z.T.  lang  anhalten-  Afro-Haitian Experimental Orchestra          17,75/15,75
           den  Silben)  haben  Bedeutung  (49  Mikrotöne  LP (+Download-Code)/CD.
           umfaßt eine Oktave), irgendwie wirkt das extro-  M.A.K.U. Soundsystem – Mezcla               17,75/15,75
           vertiert  und  in  sich  versunken  zugleich.  Hinzu  LP (+Download-Code)/CD.
           kommt  oft  eine  2.  (manchmal  auch  3.)  Stimme,  Damir Imamovic's Sevdah Takht -
           die  wahlweise  (und  das  macht  einen  ziemlichen  Dvojka             LP (+DLC)/CD                   17,75/15,75
           Unterschied)  in  tieferer  Lage  (partiell  beinahe  Bixiga 70 - The Copan Connection:
           gleichberechtigte)  Backings  oder  Harmonies  Bixiga 70 Meets Victor Rice (RSD) (LP+DLC)       17,75
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