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           ladeskem Country (ganz old-fashioned) oder auch  Melodiebahnen  durch  ein  von  naturbelassenen
           50s-R´n´B/Pop.  Uralter  Pop  mit  R´n´B-  Akustik-Gitarren-Akkorden  geprägtes  Singer-
           Elementen.  Country  meets  50s-Pop.  Pop  +  eine  Songwriter-Folk-Rock-All zieht, während um sie
           Prise  Latin  +  R´n´B.  Ein  Rockabilly-Song.  herum  sich  zunächst  dezent,  dann  immer  deutli-
           Southern-Swamp  im  Geiste  von  (süffigeren)  cher die Vielfalt des Tweedy-typischen Americana
           Creedence  Clearwater…  Der  Balladenanteil  ist  entfaltet.  In  der  Mitte  des  energisch-empfindsa-
           hoch  (z.T.  Crooner-style,  manchmal  in  ultra-  men Dreiecks von Neil Young, John Lennon und
           langsamer Manier, viele Stücke ansteckend, ein-  Bonnie Prince Billy entwickelt sich eine eigensin-
           gängig  –  schon  immer  ein  Markenzeichen  bei  nige  Alternative  Country-Kunst,  die  gleicher-
           ihnen,  freilich  meist  mit  eigenen  Stücken,  hier  maßen  dem  schleppenden  Country  Rock  des
           sind´s  jedoch  ausschließlich  Cover,  diverse  ersten Tribut zollt, wie sie die Balladen des zwei-
           Klassiker darunter: Don´t Be Cruel, Are You Sure  ten  atmet  und  den  dritten  in  seiner  intensiven
           Hank Done It This Way (von Waylon Jennings),  Verletzlichkeit  widerspiegelt.  Dazwischen,  dane-
           Before The Next Teardrop Falls (Freddy Fender),  ben  und  darüber  eröffnet  sich  bei  wiederholtem
           überraschend  Springsteens  Hungry  Heart,  Willie  Hören  -  bei  aller  zurückgelehnten  Entspanntheit
           Nelsons  Blue  Eyes  Crying  In  The  Rain,  neben  des Dargebotenen  eine bemerkenswerte Vielfalt,
           Blame  It  In Your  Heart  von  Patty  Loveless  das  deren  Tiefgang  sich  erst  dem  Dauerlauscher
           Highlight für mich. (dvd)  erschließt.  Zwischen  klassischem,  Steel-beglänz-
           Micky & The Motorcars –    tem  Country  Rock  und  schrammel-charmantem
           Long Time Comin´   18,95/13,95  Singer-Songwriter-Folk herrscht ausreichend Luft
           LP/CD. 19er. Nach wie vor liebe ich die Stimmen  und  Lust  für  Back  Porch-Entspannung  und  Pub
                                      Rock-Klarheit,  Beatles-Harmonien  und  Pernice
           der  Brüder,  so  angenehm,  absolut  einnehmend,
           öfters  eine  sehr  sympathische  leicht  wehmütige  Brothers-Hymnen,  sogar  für  psychedelisches
                                      Abheben,  elektrisch  verzerrtes  Ausufern  und
           Note… Die halbe Miete. Der Sound bleibt erdver-
           bunden,  ohne  jeden  Ballast  oder  Extravaganzen,  sonor  beknurrte  Giant  Sand-Wüsten  finden  sich
                                      Zeit  und  Gelegenheit,  wenn  man  diesem Warm-
           im Wesentlichen basierend auf Gitarren und einer
           aparten  Orgel,  der  Akustikanteil  recht  niedrig  Werk  die  Muße  zur  Entfaltung  gönnt.  Eine
                                      Americana-Alternative, die die zweite und dritte
           dosiert  (mit  Ausnahme  des  ganz  exquisiten
           Titeltracks, eine mit Bruce Robison geschriebene  Begegnung jetzt noch bleibender belohnt. (cpa)
           Alt.  Country-Ballade).  Natürlich  dominiert  Wilco – Ode To Joy           18,95/14,95
           Country  Rock  der  zeitlosen  Sorte,  teils  mit  LP/CD. Drei Jahre nach Schmilco (und Tweedy’s
           (Southern-)  Roots-Rock-  (oder  gar  Heartland  Warm  &  Warmer-Soloauflügen)  ist  die
           Rock-)  Tendenz,  ein  paar  weitere  Balladen  sind  Americana-Institution  über  das  dBpm-Label
           darunter, und das wunderbare Lions Of Kandahar,  zurück  in  den  Schoß  der  Warner  Music-Gruppe
           ein schleppender fast hypnotischer Guitar-Roots-  zurückgekehrt,  nachdem  man  mit  den  beiden
           Rocker mit einem Hauch mittlerer Osten, richtig  Vorgängeralben sich eine kurze Auszeit bei Anti
           packend! So unspektakulär wie gut! (dvd)    gönnte.  An  der  fließend-reifen  Alternative
           North Mississippi Allstars –  Country-Gelassenheit des über die Jahre gewach-
                                      senen  Gruppen-Geschehens  aber  geht  dieser
           Up And Rolling   17,95/14,95  Labelheimat-Wechsel spurlos vorüber, womöglich
           LP/CD. 19er der fabelhaften Band der Dickinson-  bewegen sich die elf charmant handgemacht-hol-
           Brüder. Diesmal fast durchgängig mit Harmony-  perigen Songs sogar noch eine Spur näher an den
           bzw. Duett-Stimmen, meist m/w (Danielle Nicole,  wahren Wurzeln, steht doch bei aller Liebe zu fast
           die neben ihren eigenen LPs bei Trampled Under  beatlesken  Akkord-Harmonien  und  manch  psy-
           Foot  war,  sowie  Sharise  Norman,  sang  für  Jim  chedelisch  gefärbtem  Ausflug  Wind  und  Wüste
           Lauderdale),  2x  mit  Gast  Cedric  Burnside,  1x  des klassischen Neil Young-Country Rock wieder
           Mavis  Staples,  in  einem  ´65er  Song  der  Staple  im  Zentrum  des  Wilco-Wesens.  Und  während
           Singers, der in der schlanken Machart tatsächlich  Glenn  Kotche’s  Perkussion  dezent  polternd  und
           an  die  Mavis  ihrer  letzten  LPs  erinnert  (dezent  packend den Grund für den sandigen Americana-
           funky/R´n´B-orientiert).  Jason  Isbell  und  Duane  Desert legt und die mal twangenden, mal stählern
           Betts gastieren ebenfalls. Z.B. bei ein paar der vie-  singenden,  mal  kraftvoll  Crazy  Horse-verzerrt
           len  vielen  (gedoppelten)  herrlichen  Gitarren-  ausufernden,  mal  Akustik-Folk-klar  gespielten
           Features (auch mal Slide), auf den Punkt, nie aus-  Gitarren  das  grob  gezimmerte  Alt.-Country-
           ufernd,  großartig! Toller  scharfer  Southern-Rock  Gemälde auskleiden, reibt Jeff’s Stimme gewohnt
           inkl. einer Prise New Orleans-2nd-line-Rhythmik  rauh und rauchig die wohlgewählten Worte über
           oder  deeper  v.a.  vokal  bestimmter  melodischer  den schimmernden Song-Horizont, dabei nicht nur
           federnd-relaxt  groovender.  Ein  Southern-Blues-  mal an den jungen Howe Gelb, mal an den späten,
           Mix  aus  bluesigen Allman  Brothers  und  Johnny  weisen  John  Lennon  gemahnend,  sondern  auch
           Winter  (später  etwas  rollendes  Jam-Band-  gelassen-leidenschaftliche  Lieder  von  bleibender
           Feeling). Präziser dezent aktualisierter Blues ohne  Bedeutung  schaffend,  die  ihre  ganze  Wirkung  –
           Schnörkel. Beseelter R´n´B mit leichtem Gospel-  wie alle wirklich gute Musik – erst nach mehreren
           Flair. Southern (Blues-) Rock mit gewissen Little  intensiven  Hörgängen  in  ihrer  Gänze  entfalten.
           Feat-Parallelen.  Oder  ein  bischen  wie  straighter  Von  Jahren  der  Erfahrung  geprägte  Americana-
           Alex  Chilton  (mit  dem  arbeitete  ja  Vater  Jim),  Folk-Songs, hemdsärmelig handgemacht und mit
           trockener schmuckloser groovender Rock + R´n´B  Herz  und  unverkennbarem  Hang  zum  Desert-
           mit  schwerem  Guitar-Solo,  Hendrix-beeinflußt.  Country-Rock  dargereicht,  von  wüstenweisen
           RL Burnside & Co hinterließen ebenfalls Spuren.  Song-Schöpfern  gekonnt  in  der  Mitte  zwischen
           Ein  ausgezeichnetes  Werk  mit  hohem  Spaß-  schleppendem Neil Young Country-Rock, zeitlo-
           Faktor! (dvd)              ser  Cosmic  American  Music,  schnodderiger
           Jeff Tweedy –              Kinks-Attitüde,  ohrenfreundlich  phantasievollen
           Warm/Warmer                                   15,95  Beatles-Harmonien   und   purem   Singer-
           2-CD.  Deutlich  erweiterte  2019er  Neu-Auflage  Songwriter-Folk  freigesetzt  und  unaufgeregt  den
           des  2018er  Solo-Albums,  bietet  neben  dem  Stürmen der Zeit überlassen. Genaugenommen –
           Originalwerk  Warm  noch  mit  Warmer  weitere  ein nahezu klassisches Wilco-Werk, eben. (cpa)
           zehn  exklusive  Songs,  die  während  der Album-
           Sessions  entstanden.  Weiterhin  gilt:  Gelassen
           hemdsärmeliges, bei allem Hang zu schlicht schö-
           nen  Harmonien  durchweg  von  handgemachtem
           Charme  geprägtes  2018er  Elf-Song-Werk  der
           Wilco-Seele  und  Stimme,  aufgenommen  in  den
           Loft  Studios,  Chicago  mit  Sohn  Spencer,  Glenn
           Kotche und Tom Schick. Das Album lebt ganz und
           gar  von  Tweedy's  dezent  angerauhter,  mitunter
           verletzlich brüchiger Stimme, die ihre nie zu auf-
           wändigen,  aber  stets  ungemein  ohrgängigen
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