Page 21 - Glitterhouse Katalog
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Der Rest von A-Z          21

             anneke von Giersbergen –
             Symphonized     21,95/14,95
             2-LP  (+CD)/CD.  Normalerweise  ist  es  ein
             durchaus  lebensbereicherndes  Unterfangen,
             einem   Musikschaffenden   bei   seiner
             Entwicklung  von  Album  zu  Album,  von
             Auftritt  zu Auftritt  zu  folgen,  gemeinsam  mit
             ihm zu wachsen und ihm dadurch immer näher
             zu kommen. Ist man aber durch die Ungnade
             der späten Geburt, durch Ignoranz-implizierte
             Schwerhörigkeit  oder  schlicht  dumpfe
             Scheuklappigkeit   gezwungen,   den
             Schaffenskatalog  rückwärts  aufzuarbeiten,  so
             kann das mindestens ebenso bereichernd sein,
             spannend ist es auf jeden Fall. Zumindest im
             Fall  Van  Giersbergen,  die  ich  über  die  von
             barocker   Eleganz   und   berückender
             Emotionalität  geprägte  Verloren  Verleden-  die ungemein ohrenfreundlichen Melodien mit-
             Cooperation  mit  den  Isländern    von  Arstidir  ten in Hirn, Herz und Seele. Nebenbei gibt sie
             kennen- und schlaganfallartig verehren lernen  uns  einen  Elf-Song-Einblick  in  ihr  bisheriges
             durfte. Mit ihrem jüngsten Album, dem episch-  Werk,  streift  Solo-Alben,  The  Gathering-
             epochalen 2018er Vollwerk Symphonized, hält  Großtaten,   die   Gentle   Storm-
             sie – zu meinem und unserem Entdeckerglück –  Gemeinschaftsarbeit, mit „When I Am Laid In
             selbst Rückschau auf ihr künstlerisch und krea-  Earth“ auch das großartige Verloren-Verleden-
             tiv bewegtes Leben, allerdings unternimmt sie  Opus   (hier   in   der   edel-getragenen
             diese  Zeitreise  vor  heimisch  holländischem  Vollorchester-Fassung)  und  mit  zwei  Vuur-
             Konzert-Publikum, ihr zur Seite ein komplettes  Songs auch ihr jüngstes Metal-Manifest, erin-
             Symphonie-Orchester, das Dank der einfühlsa-  nert mit strahlender Stimme und glänzend auf-
             men Kunst zweier großartiger Arrangeure die  spielendem  Orchester  den  Alt-Art-Rocker
             zum  Teil  höchst  heftigen  Song-Vorgaben  in  immer  wieder  an  das  legendäre  Renaissance-
             eine  mitreißend  neue  Musiksprache  transfe-  Gastspiel in der Carnegie Hall und präsentiert
             riert.  Anstatt die instrumentalen Vorbilder von  gleich elf unwiderstehliche Gründe, uns nach-
             aggressiven Gitarren-Attacken bis hin zu pro-  haltig auf das Giersbergen-Gesamtwerk einzu-
             gressiv-peitschender  Perkussion  zu  imitieren,  lassen.  Unwiderstehlich  mitreißende,  opulent-
             agiert  der  mächtigste  aller  Klangkörper  ori-  orchestrale  Einladung  zur  eingehenden
             ginär  als  Orchester,  schafft  bewegende  Werkschau. (cpa)Weiterhin lieferbar:
             Tonbilder,  rauschvolle  Klangkaskaden  und  anneke van Giersbergen
             orgiastische  Orkane,  um  seien  unbestrittene  & arstidir –
             Königin  auf  den  wallenden  Wogen  himmel-  Verloren Verleden                         8,95
             wärts zu tragen. Und als hätte Anneke zeitle-
             bens nichts anderes gemacht, stellt sie sich dem  CD. Die finale Verneigung findet Ihr wie stets
             symphonischen  Sturm  und  fliegt,  schwebt,  unter  glitterhouse.com,  hier  nur  so  viel:  Ein
             schwimmt  auf  den  tosenden  Wellenn  dahin,  herzbewegendes  Hohelied  auf  die  Kunst  der
             lässt ihr kaum vergleichbare Stimme zwischen  gesungenen  Weise,  zeitlos-zaubrische  Reise
             Annie  Haslam, Ane  Brun  und  Esther  Ofarim  durch  die  Jahrhunderte,  ewig  berührende
             mal zart verzaubern, mal stählern klar schillern,  Musik, die verwässernde Vergleiche verbietet -
             verführt und betört, schmeichelt und schwelgt,  schmerzhaft  ergreifend,  zum  Weinen  schön.
             tanz in wilder Romantik, treibt das dramatische  (cpa)
             Moment auf den gefühlvollen Gipfel, und trägt
           aufeinander,  um  im  weltfern-weiten  Phantasie-  templative  mehrschichtige  Klangflächen  (ohne
           reich  zwischen  Anthony  Phillips-Art-Folk,  Rhythmen  oder  viel  Bewegung)  in  „weicher“
           Bonnie  Prince  Billy-Verletzlichkeit  und  Sufjan  Veränderung,  Überlappung,  quasi  ein  unmerkli-
           Stevens-Feinsinn, zwischen New York-Folk, länd-  ches/unregelmäßiges  Pulsieren/Oszillieren  in
           licher  Country-Weite  und  unendlich  schönem  Zeitlupe und totaler Ruhe, extrem friedlich, dun-
           Schweb-Pop  ein  kunstvolle  Kostbarkeit  von  kle wie recht helle Soundwolken (gern parallel),
           berührender  Tiefe  und  betörender  Schönheit  zu  teilweise  Schönklang,  ab  und  zu  schälen  sich
           erschaffen. (cpa)          Melodien  heraus,  die  sich  sehr  langsam  ent-
           Bar-kays –                 wickeln oder unvermittelt auftauchen, in eminent
           The Definitive Collection  23,95  langen  Bögen/Tönen.  Plus  ein  10-Minüter,  z.T.
           3-CD.  Cherry  Red-Übersicht  über  die  bewegte  mehr  „Rumoren“,  etwas  rauhere  Sounds,  mehr
           Geschichte der Southern-Soul & Funk-Band, die  Reibungsflächen, zugleich eine beständige gewis-
                                      se  Struktur  im  Pulsieren.  LP:  2  exklusive
           nicht nur als Otis Redding-Live Band für Furore
           sorgte.  Von  einem  lehrreichen  24-seitigen  Versionen  des  Titelstücks,  speziell  für  die
                                      Vinylausgabe. (dvd)
           Booklet-begleitete  45-Song-Sammlung,  die  die
           besten  Tracks  der  Jahre  1967  bis  1989  versam-  Blick Bassy – 1958       16,95/14,95
           melt,  die  die  Bar-Kays  für  die  Labels  Warner  LP/CD. 19er des Kameruners. Ein fast durchgän-
           Brothers, Volt, Stax und Mercury aufnahmen.   gig filigranes bzw. feinziseliertes, oft feinfühliges
           William Basinski –         (selbst in schnellen ein wenig lebhafteren Songs),
                                      manchmal  richtig  zartes  oder  total  entspanntes,
           On Time Out Of Time  18,95/12,95  gern  auch  angenehmst  (leichtfüßig)  fließendes
           LP/CD.  19er,  ein  Veteran  der  Elektronik-Szene,  Album,  sporadisch  mit  leicht  dramatisierenden
           meist  unter  Ambient/Avantgarde  geführt.  Akzenten. Was gut zu seiner mit Vorliebe becir-
           Entstanden unter Verwendung von Synthies, Tape-  cend sanften schönen Stimme paßt, die er ab und
           Loops, aber auch der „Geräusche“ einer Kollision  zu in kongenial dezent angerauhte Gefilde führt,
           zweier schwarzer Löcher in 1,3 Mrd. Lichtjahren  offensiv  emotional  phrasierend.  Und  zur  ebenso
           Entfernung. Einfluß/Parallelen des Titeltracks (39  filigranen  einfühlsamen  Begleitung,  von  akust.
           Min.): Sowohl (u.a.) Enos Ambient-Arbeiten als  bzw. dezent elektrifizierter Gitarre, einigen leisen
           auch  deutsche  Elektroniker  der  70s,  wie  frühe  fantasievollen Synth/Keyboard-Klängen, wunder-
           Cluster, Tangerine Dream. Lang anhaltende kon-  bar   getragenen   beinahe   feierlichen
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