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                                    Der Rest von A-Z          21

             On The Decks – Die aktuellen Lieblingsplatten der Redaktion
             CHRISTOpH (cpa):
             1. Chantal Acda – Püwawau (Gefühlskunstvolle Verneigung vor der Tiefenwirkung des Gesangs).
             2. Steve Hackett – Genesis Revisited & Orchestra (Symphonische Darreichung majestätischer Klangkunstwerke).
             3. Lesley Kernochan – The Hummingbird Revolution (Stimmvolles Songwerk, das bleiben wird.)
             4. Magpie Salute – High Water II (Der reifere, spürbar erwachsene Album-Bruder von High Water I).
             5. Water And Sand – Catching Light (Großartig gelungener Zweitling der Taylor/Thibaud-Collaboration).
             JOE (joe whirlypop):
             1. Swans - Leaving Meaning (Monolithisch-erhabenes Meisterwerk der inneren Ruhe und Kraft)
             2. Suzan Köcher's Suprafon – Suprafon (Ausgeruhte Psychedelic-Americana-Pretiosen mit OBS-Gütesiegel)
             3. Automatic - Signal (Postpunk aus der Zeitmaschine a la Slits, Le Tigre, Sonic Youth und ESG)
             4. Shawn Lee – Rides Again (Gewohnt meisterlicher Blue Eyed Soul und Westcoast-Softrock)
             5. Jeff Lynne's ELO - From Out Of Nowhere (Das patentierte Produktionsdesign von Jeff Lynne in makelloser Perfektion)
             DETLEV (dvd):
             1. Swans – Leaving Meaning (Hypnotische Sogwirkung in eigenem Musik-Kosmos. Berauschend. Phänomenal.)
             2. Matana Roberts – Coin Coin 4 (Von Free Jazz bis Folk, von verzaubernd schön bis brennend. Toll.)
             3. Bonnie Prince Billy – I Made A Place (Ob Songwriter-Country, Americana oder Folk: Superbe Songs)
             4. Jaimie Branch – Fly Or Die 2 (Jazz & Groove, Tradition & Moderne in großer Vielfalt. Großartig!)
             5. Neil Young – Colorado (Erstaunlich variantenreiches Album, eines seiner besten in 20 Jahren)
             REINHARD (rh):
             1. Keep On Chooglin’ - #18/Dixie Fried (Swamp-Blues-Soul-Southern-Country-Rock der Extraklasse)
             2. Keep On Chooglin’ – #19/Double Trouble (Geht sowas besser? Stolz. Und extra remastert)
             3. Whiskey Myers – Firewater (Die vielleicht beste neue Southern Rock Scheibe. Läuft rauf und runter)
             4. Elvin Bishop –Juke Joint Jump (alte Capricorn Scheibe mit mehr Krachern als gedacht)
             5. Buzzsaw Joint – Cut 6/Dusty Stylus (Exzellente, blueslastige Zusammenstellung des Melbourniten)
           Knödelstimme  wie  sein  Erzeuger.  Berry  Oakley  Vergleich,  zwischen  den  Beatles  auf  dem  Über-
           Jr. erweist sich als versierter Bassist, der mit zwei  gang zur Abbey Road, Kate Bush auf der Höhe
           Drummern  für  ordentlich  Wumms  von  hinten  ihrer eigensinnigen Kunst, Mike Oldfield fernab
           sorgt. Auf  der  Platte  bedient  Chuck  Leavell  die  der Chartserfolge und den magischsten Momenten
           Tasten,  live  hatten  sie  John  Ginty  (u.a.  ex-Neal  des Get Well Soon-Genies entfaltet sich eine Pop-
           Casal)  mit  an  Bord.  John  Stachela  rundet  das  Kunst, die einzig ist. Und das nicht nur hierzulan-
           Septett an der Slidegitarre perfekt ab.  de. (cpa)
           Live verwöhnen sie ihre Fans mit einigen Allman  p.p. Arnold – The New
           Brothers Tunes, auf Platte servieren sie durchweg  Adventures Of …  26,95/15,95
           Eigenes.  Zugegeben,  ich  habe  etwas  gebraucht,  2-LP  (+DLC)/CD.  Neues  Material  dieser  unver-
           hohe Erwartungen usw., aber nachdem ich diese  gleichlichen Soul-Stimme, die ihre letzten großen
           grundsymphatische  Truppe  live  gesehen  habe,  Erfolge in den 60ern feierte und viel zu viele Jahre
           gefällt mir das Album bei jedem Druchlauf etwas  im  Chorgesangs-Hintergrund  verbrachte.  Die  15
           besser.                    neuen Songs entstanden 2019 in Zusammenarbeit
           Sie  legen  gleich  mit All  Night,  Shinin’  und Try  mit  Paul  Weller  (von  dem  auch  zwei
           drei Rocker vor, werden dann im Titelsong mid-  Originalsongs stammen: When I Was Part Of Your
           tempo-balladig, später dann ausufernd jammend,  Picture  und  Shoot  The  Dove),  Steve  Cradock
           teilakustisch  und  mit  Tom  Petty’s  Southern  (Ocean  Colour  Scene),  The  Specials  und  auch
           Accents, welches Devon nur von Piano und Slide  P.P.‘s Sohn wirkte mit.
           begleitet singt, dann mal ganz ruhig.
           Fazit:  sollte  alte  Southern  Rock  Fans  zufrieden  Automatic - Signal         21,95/14,95
           stellen. Songwriting und musikalische Umsetzung  LP/CD. Postpunk aus der Zeitmaschine, dennoch
           (natürlich  reichlich  Gitarren)  sind  durchweg  auf  absolut gegenwartstauglich. Die analogen Sounds
           hohem Niveau. Und quasi live eingespielt auf hei-  klingen  gekonnt  nach  frühen  80ern,  die  knack-
           ligem Boden in Muscle Shoals. Und wenn sie wie-  trockenen  Drums  und  der  voluminöse  Bass
           der auf Tour kommen unbedingt hingehen.  beschwören  ebenfalls  vergangene  Dekaden  her-
           Leider  hat  ihr  Label  BMG Rights  es  nicht  auf. Dazu gibt es mild dissonante Synthies, aber
           geschafft, zeitgleich Vinyl zu veröffentlichen. Ein  keine  Gitarren.  Getragen  wird  der  Automatic-
           mehr als schwaches Bild. (rh)  Sound  von  mehreren  auffallend  kühlen
                                      Frauenstimmen. So fühlt man sich von Anfang an
          u  And The Golden Choir –   an  Bands  wie  Slits,  Le  Tigre,  Sonic  Youth  und
             Breaking With Habits        23,95/9,95
           LP/CD. Für sein 2018er Prachtwerk zog sich der  ESG erinnert. Der Vibe ist düster, der Beat aber
                                      gradlinig  und  treibend,  weshalb  sich  Automatic
           Vielinstrumentalist  und  sanftbestimmte  Sänger  ganz prächtig für die Underground-Disco eignen.
           wieder für Monate in die kerzenlicht-beleuchtete  Die  drei  gewinnenden  Damen  kommen  aus  Los
           Klausur des Kreuzberger Studios zurück, um uns  Angeles und konnten ihr Debütalbum beim eben-
           noch tiefer in das Traumreich seiner ideen-spru-  so  vielseitigen  wie  verlässlichen  Ex-HipHop-
           delnden Inspiration tauchen zu lassen, uns einzu-  Label Stones Throw unterbringen. Dabei entsteht
           laden  in  einen  mit  schlichten Worten  kaum  fas-  ein  treibender,  dunkler  Rocksound  mit  coolen
           sbaren  Pop-Palast  voller  majestätischer  Hallen,  Frauenstimmen. Für Drive sorgt der Bass (irgend-
           sich windender Gedankengänge und manch ver-  wo zwischen Dub und Joy Division), das Ganze
           führerisch-versteckter  Klang-Kammer.  Durch  trotz düsterer Stimmung überwiegend tanzbar und
           Hinzu-nahme  allerlei  elektronischer  Ton-  dadurch  dann  letztlich  doch  richtig  upliftend.
           Träumereien  fallen  Sieberts  Kunstgebilde  noch  Benannt haben sich Automatic übrigens nach dem
           reicher,  noch  tiefer  aus.  Zwischen  orchestraler  Song der Go-Gos. (Joe Whirlypop)
           Wucht und balladeskem Sanftmut, zwischen leiser  Avett Brothers –
           Balkan-Brise,  solitärer  Klarinette  und  dezenten
           Soul-Spuren,  beseelter  Songwriterkunst  und  Closer Than Together  16,95
           königlicher  Klang-Architektur  bleiben  nur  noch  CD.  Das  mittlerweile  zehnte  Album  der  Avett
           ganz eigene, ganz besondere Pop-Phantasten zum  Brothers erscheint am 4. Oktober.
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