Page 22 - Februar 2020
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22           Der Rest von A-Z
           sich für ihr 2019er Album nicht nur höchst emp-  superangenehmes Album  mit  unwiderstehlichem
           findsam  zehn  Fremdweisen  von  solch  auf  den  Chillout-Faktor. (Joe Whirlypop)
           ersten Lese-Eindruck zum Teil unvereinbar schei-  Bad Company – Desolation Angels
           nender  Schall-Schöpferinnen  wie  Joni  Mitchell,  (40th Anniversary Edition)                21,95
           Björk, Janis Ian, Alicia Keys und Spice Girls aus-  2-CD.  Aufwertende  2020er  Rhino-Geburtstags-
           erwählt, ihr gelingt es auch, diese in zumeist zart  ausgabe  des  1980er  Albums,  bietet  neben  der
           angerichteten  Arrangements  zwischen  akusti-  remasterten  Fassung  des  Originalwerks  noch
           schem Folk, verspieltem Americana, feinfühliger  einen Zusatz-Tonträger mit 9 bislang unveröffent-
           Elektronik,  verlockender  Tanzeinladung,  getra-  lichten  Tracks:  Neben  2  Studio-Outtakes
           gener  Klavier-Ballade  und  barock-getragener  (Smokin‘  45  und  Rock  Fever)  gibt  es  zum  Teil
           Sakral-Psychedelic  sich  derart  zu  eigen  zu  deutlich  differierende  Alternativ-Versionen  von
           machen, dass man auch die bekannteren der aus-  sieben  Albumstücken,  darunter  Rock’n’Roll
           gesuchten  Lieder  hier  völlig  neu  in  ungeahnter  Fantasy,  Gone  Gone  Gone,  Evil  Wind,  Early  In
           Samt-Tiefe  erleben  darf.  Dabei  hilft  Frida  nicht  The  Morning,  Oh  Atlanta  und  She  Brings  Me
           nur ihre ungemein eindringliche, sanft-betörende  Love.
           Stimme  in  der  zart-zaubrischen  Mitte  zwischen
           Maria Mena und Judie Tzuke, unser Herz auf ewig  The Band – The Band
           zu fesseln, es ist auch die für unsere Ohren faszi-  (50th Anniversary)         27,95/18,95/99,95
           nierende Wirkung der norwegischen Sprache, die  2-LP/2-CD/Box-Set.  Natürlich  mussten  wir  dem
           allen Weisen einen ganz eigene, neue, verwirrend-  Geburtstags-Reissue  des  „braunen“  Albums  der
           verzaubernde Intensität schenkt. Manch gewohnt  Band  einen  Kasten  widmen.  Hier  das  1969er
           erscheinende  Melodie  erlebt  hier  ihre  elektrisie-  Zweitwerk, in klanglich aufgearbeiteter, feierlich
           rend emotionstiefe Wiedergeburt, und wenn allein  verlängerter und erheblich erweiterter Form. Das
           von  einer  Orgel  in  ein  flirrend  psychedelisch-  Doppel-Vinyl  beinhaltet  das  Gold-Kind  in  einer
           sakrales Licht getauchtes Both Sides Now als „En  frischen Stereomischfassung (grundsätzlich mehr
           og annen“ das unvorbereitete Ohr trifft, so erlebt  Drums) von Bob Clearmountain, die Doppel-CD-
           man die unsterbliche Melodie wie zum ersten Mal,  Ausgabe  bietet  darüber  hinaus  noch  13
           in einer Schönheit, die definitiv nicht mehr irdisch  Bonustracks (frühe, alternative oder instrumentale
           ist. Und sollte ich dereinst schäbig verscharrt wer-  Fassungen  von  u.a.  Up  On  Cripple  Creek,  The
           den  –  spielt  mir  nur  dies  eine  Stück,  und  das  Unfaithful Servant, Look Out Cleveland, Rockin‘
           Paradies ist mein! (cpa)   Chair, The  Night They  Drove  Old  Dixie  Down,
           The associates – Perhaps   Whispering  Pines,  Jemima  Surrender,  King
                                      Harvest) und einen Live-at-Woodstock-Mitschnitt
           (expanded DeLuxe Edition)              16,95  (11 Songs, darunter Chest Fever, Tears Of Rage,
           2-CD. Erheblich erweiterte Cherry Red-Ausgabe  We  Can  Talk  About  It,  Long  Black  Veil,  This
           des  1985er  Albums,  remastered  und  durch  Wheel’s On Fire, I Shall Be Released, The Weight,
           Hinzunahme seltener und seltenster Songs, Stücke  Loving You Is Sweeter Than Ever). In der Box fin-
           und Versionen auf eine Lauflänge von 27 Tracks  den  sich  neben  den  beiden  genannten  Doppel-
           gebracht.  Der  wissensbereichernden  Begleitung  Tonträgern  noch  eine  7“-Single  (Rag  Mama
           dient ein 20-seitiges Booklet.  Rag/The  Unfaithful  Servant)  und  eine  BluRay-
           automat – Modul      19,95  Audio   mit   verschiedenen   Album-
           2-LP  (+MP3).  Hach,  ist  das  flauschig.  Warme,  Abmischungsfassungen  und  ebenfalls  aufge-
           weiche Feelgood-Music hart auf den Spuren von  mischtem Bonusbeiwerk.
           Coffeetable-Groovern  wie  Thievery  Corporation  Bambara – Stray  15,95/12,95
           oder  Boozoo  Bajou.  In  entspanntem Tempo  und  LP/CD. Auch  wenn  sich  alle Welt  auf  das  neue
           mit magenmasierendem Dub-Bass, der Vibe milde  Nick Cave-Album einigen kann: Mich überzeugt
           spacig,  der  Groove  zwischen  TripHop  und  dieser  Feuilleton-kompatibel-routinierte  Wohl-
           Reggae. Das beim ansonsten ja konsequent dance-  klang schon lange nicht mehr. Warum ich das an
           lastigen  Münchner  Compost-Label  erschienene  den Beginn dieses Reviews schreibe? Weil diese
           Downbeat-Album  stammt  von  einem  illustren  Band  aus  Athens,  Georgia  auf  ihrem  vierten
           Musiker-Trio: Gitarrist Jochen Arbeit  kennt man  Album  zeigt,  wie  der  Großmeister  des
           von den Einstürzende Neubauten und Die Haut),  Dunkelrocks  auch  klingen  könnte.  Denn  deren
           Drummer Achim Färber war einst bei Phillip Boa  Sänger Reid Bateh liegt stimmlich nah am jungen
           & The Voodooclub, hat aber auch schon mit On-U  Cave,  ein  bisschen  auch  an  Jeffrey  Lee  Pierce
           Sound-Legende  Skip  McDonald  gespielt,  Basser  (Gun  Club).  Das  ebenso  kompakte  wie  dynami-
           Georg Zeitblom war mit u.a. Fred Frith, John Zorn  sche  Trio  verzichtet  auf  geschmäcklerische
           und  Arto Lindsay aktiv. Der Promi-Faktor lässt  Streicher und Piano, lediglich ein paar Keyboards
           sich mit weiteren Gastmusikern sogar noch stei-  und phasenweise coole Background-Sängerinnen
           gern:  im  Studio  waren  nämlich  auch  Max  (Drew Citron, Anina Ivory-Block) verbleiben im
           Loderbauer  (Modular),  Paul  St.  Hilaire  aka  Hintergrund.  Dafür  gibt  es  eine  feine
           Tikiman und sogar Lydia Lunch und Gemma Ray  Westerngitarre mit edlem Morricone-Twang, mei-
           dabei. Das tiefenentspannte Album lebt von einem  stens aber satten, dunklen Americana-Rock. Dank
           in sich ruhenden Bass klassischer Dub-Schule, er  des  rundum  beeindruckenden  Bariton-Gesangs
           trägt  fast  alle  Songs  des  leider  etwas  kurzen  fühlt man sich an Caves beste Phase in der zwei-
           Albums.  Die  organischen  Soundscapes  lassen  ten  Hälfte  der  80er  erinnert  (ca.  „Your
           gesampelte  Bläser  auf  analoge  Synthies  treffen,  Funeral….My  Trial“)  und  natürlich  auch  an
           die Snare hallt aus der Echokammer, der smoothe  Grinderman. Das Powertrio entfaltet einen mäch-
           Dub-Vibe lässt ebenso an Massive Attack wie an  tigen, postpunkigen Rock’n’Roll mit einer guten
           Berliner  Minimal  Dub  denken.  So  oder  so:  ein  Dosis Southern Gothic und gekonnt dramatischer
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