Page 6 - Glitterhouse Katalog
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                 glitter
                                        beat
















      "Vibrant  music  from Africa  and  beyond"  ist  Punk-Traditionen, die nicht unbedingt so klingen
      das  Motto  des  Glitterhouse-Ableger-Labels  wie früher, in roher splitternder zugleich nuancier-
      Glitterbeat.               ter  und  intensiver  Spielweise,  manchmal  am
                                 Rande  der  Atonalität.  Entspannter  lockerer
      Altin Gün – Gece  17,75/15,75  hochmelodischer  einfach  schöner  teilakustischer
      LP  (+CD)/CD.  Cooles  Signing,  liebe  Kollegen  Indie  Folk  Pop  inklusive  einer  kleinen  Prise
      von Glitterbeat – genau die richtige Band für ein  Country, ein nicht so weit davon entferntes Stück
      weltoffenes  Label!  Altin  Gün  kommen  aus  (in balladesk) glänzt mit feiner Säuregitarre (und
      Amsterdam, klingen aber eindeutig nach Istanbul  endet in leiser schräger Klangmalerei). 80s-Indie
      in den frühen 70ern. Die Band spielt ein rundes  Rock-Feeling  gekoppelt  mit  Desert  Rock-
      und  harmonisches  Update  von  türkischem  Ahnungen, schroff riffende Gitarren stehen neben
      Psychedelic  Rock,  wie  er  seinerzeit  von  Leuten  im  weiten  Raum  hallenden  atmosphärischen  in
      wie Erkin Koray und Neset Ertas produziert wurde  etwas  verwinkelten  Arrangements.  Weit  mehr
      – „Anatolia Rock!“ Die sechsköpfige Band greift  elektrische  als  akustische  Gitarren,  Piano/Orgel
      diesen  speziellen  Style  des  Oriental  Rock  nicht  und  Synthie  wechseln  sich  ab,  die  Geige  fehlt
      nur auf, sondern macht ihn auch richtig funky. So  manchmal  (gefällt  aber  ansonsten  sehr),  er
      entsteht ein höchst tanzbarer, hypnotisch grooven-  (Langford) singt mehr als sie (Timms), beide gern
      der, oft spaciger Funk-Rock mit türkischen Vocals  zusammen. Und diverse Soundeffekte werden hier
      (männlich und weiblich) und grandiosen elektrifi-  und da ganz pointiert und effektiv/musikdienlich
      zierten Gitarren (oder Saz) – fast noch besser sind  eingeschossen.  Erstaunlich,  wie  frisch,  immer
      die scheinbar billigen Keyboards-Sounds, die für  wieder  anders  (und  gut)  sie  nach  so  langer  Zeit
      authentischen Nahost-Vibe sorgen. Die Songs sind  noch klingen! Vinyl 180g. (dvd)
      großartig:  treibend  und  eingängig,  luftig  und  Ifriqiyya Electrique –
      melodiös.  Oder  auch  mal  downtempo-psychede-
      lisch, was tatsächlich ein bisschen nach Jefferson  Laylet El Booree                     17,75/15,75
      Airplane auf Türkisch klingt. Das Album ist her-  LP (+DLC)/CD. 19er, eine multikulturell zusam-
      vorragend  produziert,  enorm  transparent  und  mengesetzte Gruppe: 3 Tunesier/innen + Gianna
      immer mit viel Luft zwischen den Tönen. Hinter  Greco und Francois Cambuzat von Lydia Lunchs
      dem trans-europäischen Projekt steckt der Bassist  Putan Club. Das Ergebnis ist schlicht einzigartig,
      Jasper Verhulst (Jacco Gardner), lediglich die bei-  partiell  verstörend  auf  elektrisierende  Art.  Und
      den Vokalisten Merve Dasdemir und Erdinc Yildiz  konzentrierter,  schlüssiger,  „auf  Linie  gebracht“,
      Ecevit  scheinen  den  Namen  nach  türkischer  schlicht:  Noch  einmal  besser  als  das  Debut.
      Herkunft  zu  sein.  Das  gerät  absolut  mitreißend  Haupteinfluß  bzw.  Basis:  Banga  aus  Tunesien,
      und hypnotisch, gleichzeitig aber auch partytaug-  beschrieben als „Sufi Trance Music“. Doch dabei
      lich  und  höllisch  tanzbar.  Weshalb  die  bleibt es nicht… Es treffen oft ein wenig runterge-
      Liveauftritte  der  Band  auch  regelmäßig  höchst  mixte  traditionelle  Vocals  (männlich/weiblich,
      euphorisch geraten – sie sind übrigens gerade auf  teils  im  Call/Response-Modus,  dabei  Letzteres
      Deutschland-Tour,  unbedingt  hingehen!  (Joe  partiell Chor-artig; ab und zu mehrköpfig in ziem-
      Whirlypop)                 lich  wild)  und  ein  dichter  Percussion/Drum-
      Mekons – Deserted  17,75/15,75  Teppich,  kurz:  Tendenziell  archaisch  wirkende
      LP (+DLC)/CD. 19er. Nach 8 Jahren endlich ein  Klänge, auf schroffe, scharfe bis sägende großteils
      neues  (reguläres)  Studio-Werk  (die  2016er  LP  tiefgelegte  Gitarren  –  was  bis  hin  zu  einer  Art
                                 „Ethno-Archaik-Metal“  (in  Groove)  führt!
      wurde  ja  live  eingespielt,  bei  der  ´15er  fehlten
      Bandmitglieder). Ein vielschichtiges, ein ziemlich  Anderswo wird der unterschwellige oder offensi-
                                 vere  Metal-Eindruck  durch  vorwärtspeitschende
      breites Spektrum! Emotionaler dichter intensiver
      Rock  mit  scharfkantigen  bis  mächtig  verzerrten  Post  Punk-Anklänge  ersetzt.  Oder  es  klingt  ein-
                                 fach  sehr  rockig,  in  alarmistischer  Weise.  Und
      Gitarren,  punktuell  effektvoller  Geige  in
      Schräglage,  lose  harmonierenden  m/w-Vocals.  immer  wieder  regelrecht  gewaltig  (im  Extrem
                                 gewalttätig)! Sogar fast atonale Guitar-Smashes in
      Lustvoll!  Rootsig/folkig  unterlegt  in  leicht  und
      locker  und  transparent,  rauhe  Poesie  und  ent-  Nachbarschaft zu Sonic Youth kommen vor. Die
                                 (meist  recht  schnelle)  Rhythmik  speist  sich
      zückende ganz altmodische Melodien paaren sich
      zur  Schönheit  von  innen.  Ein  Pendeln  zwischen  sowohl  aus  den  spezifischen  tunesischen
                                 Traditionen als auch aus westlicher Musik, wird in
      geheimnisvoll-dunkler  Faszination  und  kraftvoll
      lebenslustigem 70s-Rock (eine Spur Glam-artiger  einigen  Stücken  irgendwann  immer  mehr
                                 beschleunigt. Vieles ziehen sie gnadenlos repetitiv
      Einfluß)  samt  kurzer  toller  beinahe  kakophoni-
      scher  Phase.  Kurzzeitig  dezent  zerschossener  durch. 2 Tracks fallen aus der Reihe: Ein kurzer:
                                 Gänzlich traditionelle reine Vokalmusik. Ein noch
      Indie  Rock  featuret  schneidende/Distortion-
      Gitarren,  ein  intelligentes  Piano  grundiert,  am  radikalerer,  bei  dem  sich  die  Banga-Klänge  mit
                                 düsterer Avantgarde und Industrial mischen (voll-
      Ende  lose  ausfransend.  Bedächtiger  (Pseudo-
      Ethno-)  Space-Folk  sehr  eigener  Art,  der  sich  kommen  neuartig!).  Und  2,3x  ergänzen  nasale
                                 lokale Blasinstrumente (z.B. die Zoukra, eine Art
      irgendwann  bodenständig  verdichtet.  Alte  Post
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