Page 6 - Glitterhouse Dezember Katalog
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  glitterbeat

"Vibrant music from Africa and beyond" ist             Fofoulah – Daega Rek 17,75/15,75
das Motto des Glitterhouse-Ableger-Labels
Glitterbeat.                                           LP (+DLC)/CD. Die gambisch-senegalesisch-eng-

                                                       lische Truppe (mit u.a. Tom Challenger von Red

Ustad Saami –                                          Snapper und Dave Smith von Robert Plants

God Is Not A Terrorist  17,75/15,75                    Sensational Space Shifters bzw. ehemals bei Justin

                                                       Adams toller Band JuJu) hat sich doch recht

LP (+DLC)/CD. 19er. Der „Meistersänger“ aus            wesentlich verändert. Und agiert ausgesprochen

Pakistan (fürwahr!) erforscht und erweckt uralte       innovativ, so etwas habe ich noch nie gehört!

vor-islamische Musik-Traditionen, im Stil des          Rubrik: Musikalische Abenteuer. Traditionelle

„Khayal“ (Qawwali-Vorläufer) – was sich für            westafrikanische Rhythmen treffen auf zeitgenös-

ungeübte europäische Ohren nicht soo viel anders       sische Beats (z.B. fortgeführte Drum & Bass-

als andere traditionelle pakistanische Klänge          Derivate, mal auch eine Art Afro-Techno, 80s-

anhört, aber insgesamt durchaus ein wenig mehr         Electro-Anleihen…), in gern sehr komplex verwo-

Abwechslung bietet, als ich es von anderen Acts        bener Form, nervös, schnell bis gebrochen, oft-

der Gegend kenne. Vocals first! Und wie!               mals polyrhythmisch geprägt (doch ziemlich

Kraftvoll, wunderbar phrasiert, kleinste               ungewöhnlicher Natur). Seltener ergeben sich ger-

Tonhöhenverschiebungen (in z.T. lang anhalten-         adlinigere Grooves, mal in entspannterem (und

den Silben) haben Bedeutung (49 Mikrotöne              gleichzeitig stärker afrobasiertem) Flow, mal

umfaßt eine Oktave), irgendwie wirkt das extro-        absolut zwingend mit reizvollen Widerhaken, mal

vertiert und in sich versunken zugleich. Hinzu         schön tricky (funky beinahe). Feine mehrschichti-

kommt oft eine 2. (manchmal auch 3.) Stimme,           ge teils wundervoll wirbelnde/schillernde/fluores-

die wahlweise (und das macht einen ziemlichen          zierende Synths/Electronics sorgen für eine

Unterschied) in tieferer Lage (partiell beinahe        Vielzahl kurzer Motive, selten auch richtige

gleichberechtigte) Backings oder Harmonies             Melodien (die insgesamt nur eine geringe Rolle

singt, anderswo in call-and-response-artigen           spielen) – und reichlich hochattraktive tolle

Duetten begeistert bzw. im Wechsel agiert, schon       Sounds, die manchmal für eine Art moderne psy-

mal eine gewisse Chor-Funktion ausüben. Sogar          chedelische Note sorgen! Die Funktion der Vocals

an Huun Huur Tu fühle ich mich sporadisch leicht       ist ebenfalls eine andere als zuvor, spoken word,

erinnert. Die Begleitung scheint (es gibt leider       deklamatorisch, fordernd, offensiv, scharf bis

keine Besetzungs-Infos, und die Identifizierung        Rap-ähnlich, z.T. rhythmisch zusätzliche Akzente

finde ich schwer) von unterschiedlich vielen           setzend. E-Gitarren besitzen keinen großen

Musikern zu stammen, als Fixpunkt ein                  Stellenwert, aber der Bass glänzt phasenweise!

Harmonium (schon mal ziemlich durchdringend),          Drums vermischen sich mit Percussion/Talking

teils möglicherweise auch 2, plus, vermute ich,        Drums. Diverse Loops werden integriert, jede

hier und da Tamboura (Tanpura), Sitar-ähnlich,         Menge repetitive Elemente, manchmal viel Hall

doch reines Begleitinstrument (mit weniger             und Echo, phasenweise klingt es minimalistisch

Saiten/ohne Bünde), die Sounds durchdringen sich       (von den Rhythmus-Spuren abgesehen).

und bilden untrennbare Klangflächen, ab und zu         Futuristisches Afrika trifft auf westliche (Beat-

aber auch monochromere. Und besitzen einen             und Sound-basierte) Avantgarde bzw. sowas wie

starken Drone-Charakter! Die Stücke sind teilwei-      Post Wave-Experimente, bei 2 Stücken fielen mir

se ausgesprochen getragen gespielt, langsam, fast      gar die Residents spontan ein (aktualisiert und

feierlich, Rhythmen nur durch die Stimme               rhythmusbetonter), es gibt Dub-Einflüsse. Und

geformt, mal ein dezent melancholischer                viel dunkle mehrfach total faszinierende

Grundton, im Extrem beim mit 19 Min. längsten          Atmosphären, partiell mysteriös, gar bedrohlich,

Track in Ultra-Zeitlupe (Rhythmen kaum merk-           sporadisch auch starke Kontraste, kurz kommt die

lich), die pure, berauschend wirkende, absolut         Musik zum Stillstand… Völlig abgedrehtes Zeug

hypnotische Trance-Musik! Einige Stücke jedoch         ist dabei, wie gesagt: Sowas hab ich noch nie

bieten deutlich mehr rhythmische Betonung, set-        gehört… Stücke wie Nyari Garong, Ndanane,

zen Tablas ein, sind lebhafter, ereignisreicher, agi-  Kaddy sind klasse! (dvd)

ler, auch komplexer bzw. auf ungewohnte Weise          Gaye Su akyol – Istikrarli

polyrhythmisch im vertrackten Zusammenspiel            Hayal Hakikattir          17,75/15,75

von („unruhigen“) Tablas, Harmonium und                LP (+DLC)/CD. 18er der fabelhaften türkischen

Stimme (klasse!), oder ziehen im Gegenteil             Singer-Songwriterin. Nunmehr wirkt ihr

straight-lineare Rhythmen durch, mit ebenfalls         Türk/Orient-Rock (sporadisch auch eher weicher

einem gewissen Trance-Effekt. Durch und durch          dezent verträumter Orient Pop, die westlichsten

spirituelle Musik, denke ich, mit hohem                Stücke hier, 1x mit 60s-Touch; oder eine Art

Faszinationsfaktor, wenn man sich drauf einläßt,       Orient-Folk-Rock) zum einen (soweit ich mich

dicke Empfehlung! Grammy-Gewinner Ian                  richtig erinnere) noch ein wenig rockiger, zum

Brennan produzierte. Vinyl 180g im Klappcover.         anderen treten die schon früher in der Presse

(dvd)                                                  postulierten (aber in meinen Ohren doch relativ
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