Page 6 - November 2018
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                      glitter
                                             beat
















           "Vibrant  music  from Africa  and  beyond"  ist  ist  beträchtlich,  phasenweise  so  reichhaltig  wie
           das  Motto  des  Glitterhouse-Ableger-Labels  bestechend! Die Stücke sind einerseits sehr sorg-
           Glitterbeat.               sam  aufgebaut/komponiert,  die  Bläser  häufig
                                      wunderbar  mehrschichtig  verwoben/arrangiert,
           Gaye Su Akyol – Istikrarli   lassen daneben einigen Raum für Improvisationen
           Hayal Hakikattir                       17,75/15,75  (wobei die Gitarre gern nur akzentuiert, das aber
           LP  (+DLC)/CD.  18er  der  fabelhaften  türkischen  kongenial).  Zur  knappen  Hälfte  ist  ein  analoger
           Singer-Songwriterin.   Nunmehr   wirkt   ihr  Synthie dabei, mit einigen auffälligen Szenen, mal
           Türk/Orient-Rock (sporadisch auch eher weicher  punktierend,  mal  massiver,  blubbernd,  zischend,
           dezent  verträumter  Orient  Pop,  die  westlichsten  sirrend, irrlichternd, sirenenartig, manchmal auch
           Stücke  hier,  1x  mit  60s-Touch;  oder  eine  Art  melodisch  variierend,  wie  in  den  frühen  70ern.
           Orient-Folk-Rock)  zum  einen  (soweit  ich  mich  Zunächst  überwiegt  die  afrikanische  Seite:  Die
           richtig  erinnere)  noch  ein  wenig  rockiger,  zum  Grooves  funky  und  enorm  dicht  verzahnt  vor-
           anderen  treten  die  schon  früher  in  der  Presse  wärtspeitschend oder straight klar westlich orien-
           postulierten  (aber  in  meinen  Ohren  doch  relativ  tiert (mit famos treibendem Bass), hier ein apart
           seltenen) Surf- und Psychedelic-Einflüsse diesmal  und geschmeidig rollender Beat, dort ein polyrhy-
           mehrfach  deutlicher  hervor,  vor  allem  durch  die  thmisch komplexer, alles in einem Kontext irgend-
           (wie Analog-Synth/Keyboards,  mal  Orgel  omni-  wo  zwischen  modernisiertem  Highlife  und Afro
           präsente) E-Gitarre. Die ansonsten den westlichen  Beat  –  die  70er  Ursprünge  präsent,  doch  klar
           Approach hochhält, ab und zu in der Melodik aber  aktualisiert,  modifiziert,  teils  sehr  differenziert.
           auch  nahöstlich  geprägt  ist.  Insgesamt  konzen-  Gar  mal  eine  kleine  Prise  Ethiopiques  in  der
           triert sich das türkische/orientalische Flair auf den  (mächtig  attraktiven)  Melodik,  ein  Hauch  Latin,
           (exzellenten!  Ausdrucksvollen,  phrasierungsstar-  kurz eine begeisternde enorme Verdichtung oder
           ken!)  Gesang  samt  (oft  sehr  schöner)  Melodien,  extrascharfe Akzente, für Momente Psychedelic-
           hier  und  da  gibt  es  feine  Einwürfe  von  (elektri-  Elemente, in einem Fall mit viel Orgel (die sonst
           scher) Saz, Oud oder Cumbush (ebenfalls ein tür-  selten vorkommt) und einem jazzigen Trompeten-
           kisches  Saiteninstrument).  Die  Rhythmik  fusio-  Solo.  Später  kommen  vermehrt  Jazz-Inhalte
           niert  ganz  gern  beide  Seiten  (Ost/West),  ent-  hinzu,  in  einem  breakreichen Afro-Bläser-Sound
           wickelt  selten  schon  mal  ein  leichtes  Club-  abseits gängiger Kategorien (extrem spielfreudig,
           Feeling,  Grooves  kommen  überwiegend  dezent  geradezu lustvoll!). Dann vermindert sich zuneh-
           (sehr langsam und enorm wirkungsvoll in einem  mend  der  Afro-Anteil,  verschwindet  teilweise.
           ziemlich  reduzierten  großartigen  Stück  in  einer  Dafür  tauchen  hypnotisch  pumpende  Beats  auf,
           tollen  dunklen  ein  leicht  wehmütigen  irgendwie  abziehende  wie  statisch  marschierende,  Synthies
           geheimnisvollen   und   spannungsgeladenen  from  outer  space,  majestätische  Bläser-Blöcke,
           Atmosphäre – hypnotisch!). Ansonsten pendelt die  sogar Hard Rock-Riffs, kurz kakophonische Free
           Musik  zwischen  ganz  lässig  und  entspannt,  ein  Jazz-Spritzer,  beinahe  experimentelle  Phasen
           bischen angestochen, handfest-bodenständig, sehr  (rhythmisch  klasse  vorwärtswirbelnd,  vertrackt
           schön lyrisch/feinfühlig, zurückhaltend/fast sinn-  und superspannend, stärkerer Jazzeinfluß mit nur
           lich. Und entwickelt sich in 2 Stücken so reizvoll  punktuellen aber tollen afrikanischen Beats), ein
           wie unerwartet, zu         hochmelodisches Stück auf schleichenden Sohlen
           so  etwas  wie  „Prog-Orient-Rock“  mit  einem  voller Eleganz (Bläser und Gitarre grandios ver-
           Hauch Acid, bzw. einer Mixtur aus mediterranem  woben!)  und  ein  großartiges  ruhiges  langsames
           Flair,  Spuren  von  Flamenco,  Balkan,  und  Surf,  enorm  suggestives,  zeitweise  erhaben  wirkend,
           Rock und Poesie – wesentlich kontrastreicher als  partiell  Psyche-Gitarre.  Eine  sehr  besondere
           sonst, wozu zudem Akzente von Akustik-Gitarre  Musik! Vinyl 180g. (dvd)
           und  Trompete  gehören.  Ein  rundum  schlüssiges  Stella Chiweshe – Kasawah-
           ausgezeichnetes Werk, klar zu empfehlen! Sie trug  The Early Singles  17,75/15,75
           übrigens  nebenbei  zum Artwork,  zur  Produktion  LP (+DLC)/CD. 18er. Eine große Künstlerin, eine
           und den Arrangements ihren Anteil bei, und scheut  lebende Legende aus Simbabwe. Seit ich sie vor
           auch nicht vor politischen Aussagen zurück. (dvd)   20 Jahren das erste Mal hörte, bin ich Fan. Leider
           Bixiga 70 –                folgt  ihren  wenigen  hier  erschienenen  Alben
           Quebra Cabeca                       24,75/15,75  schon seit 2006 nichts mehr nach. Umso erfreuli-
           2-LP (+DLC)/CD. 18er, 9-köpfige Gruppe mit 4  cher,  daß  Glitterbeat  frühe  Aufnahmen  aus  der
           Bläsern aus Brasilien. „African-Brazilian Music“  Zeit von 1974-1983 ausgegraben hat (die nur in
           nennt es die Instrumental-Band selbst, genuin bra-  ihrer Heimat erhältlich waren). Viel Abwechslung
           silianische Musik höre ich auch wenig. Eigentlich  wird nicht geboten, für manch Hörer mag das auf
           klingen  sie  oft  ziemlich  eigenständig  in  ihrer  Dauer enervierend klingen, ich finde diese Musik
           Verknüpfung/Fusion  diverser  Einflüsse,  zugleich  (basierend  auf  uralten  spirituellen  Traditionen)
           voller Grooves und Melodien – für Letztere sorgt  absolut  faszinierend  –  entweder  sie  packt  einen
           die Bläsersection, und deren melodischer Gehalt  (wie z.B. auch John Peel, für den sie 2 Sessions
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