Page 6 - Glitterhouse Dezember Katalog
P. 6

6

  glitterbeat

"Vibrant music from Africa and beyond" ist          Orient-Folk-Rock) zum einen (soweit ich mich
das Motto des Glitterhouse-Ableger-Labels
                                                    richtig erinnere) noch ein wenig rockiger, zum

Glitterbeat.                                        anderen treten die schon früher in der Presse

Fofoulah – Daega Rek 17,75/15,75                    postulierten (aber in meinen Ohren doch relativ

LP (+DLC)/CD. Die gambisch-senegalesisch-eng-       seltenen) Surf- und Psychedelic-Einflüsse diesmal

lische Truppe (mit u.a. Tom Challenger von Red      mehrfach deutlicher hervor, vor allem durch die

Snapper und Dave Smith von Robert Plants            (wie Analog-Synth/Keyboards, mal Orgel omni-

Sensational Space Shifters bzw. ehemals bei Justin  präsente) E-Gitarre. Die ansonsten den westlichen

Adams toller Band JuJu) hat sich doch recht         Approach hochhält, ab und zu in der Melodik aber

wesentlich verändert. Und agiert ausgesprochen      auch nahöstlich geprägt ist. Insgesamt konzen-

innovativ, so etwas habe ich noch nie gehört!       triert sich das türkische/orientalische Flair auf den

Rubrik: Musikalische Abenteuer. Traditionelle       (exzellenten! Ausdrucksvollen, phrasierungsstar-

westafrikanische Rhythmen treffen auf zeitgenös-    ken!) Gesang samt (oft sehr schöner) Melodien,

sische Beats (z.B. fortgeführte Drum & Bass-        hier und da gibt es feine Einwürfe von (elektri-

Derivate, mal auch eine Art Afro-Techno, 80s-       scher) Saz, Oud oder Cumbush (ebenfalls ein tür-

Electro-Anleihen…), in gern sehr komplex verwo-     kisches Saiteninstrument). Die Rhythmik fusio-

bener Form, nervös, schnell bis gebrochen, oft-     niert ganz gern beide Seiten (Ost/West), ent-

mals polyrhythmisch geprägt (doch ziemlich          wickelt selten schon mal ein leichtes Club-

ungewöhnlicher Natur). Seltener ergeben sich ger-   Feeling, Grooves kommen überwiegend dezent

adlinigere Grooves, mal in entspannterem (und       (sehr langsam und enorm wirkungsvoll in einem

gleichzeitig stärker afrobasiertem) Flow, mal       ziemlich reduzierten großartigen Stück in einer

absolut zwingend mit reizvollen Widerhaken, mal     tollen dunklen ein leicht wehmütigen irgendwie

schön tricky (funky beinahe). Feine mehrschichti-   geheimnisvollen und spannungsgeladenen

ge teils wundervoll wirbelnde/schillernde/fluores-  Atmosphäre – hypnotisch!). Ansonsten pendelt die

zierende Synths/Electronics sorgen für eine         Musik zwischen ganz lässig und entspannt, ein

Vielzahl kurzer Motive, selten auch richtige        bischen angestochen, handfest-bodenständig, sehr

Melodien (die insgesamt nur eine geringe Rolle      schön lyrisch/feinfühlig, zurückhaltend/fast sinn-

spielen) – und reichlich hochattraktive tolle       lich. Und entwickelt sich in 2 Stücken so reizvoll

Sounds, die manchmal für eine Art moderne psy-      wie unerwartet, zu

chedelische Note sorgen! Die Funktion der Vocals    so etwas wie „Prog-Orient-Rock“ mit einem

ist ebenfalls eine andere als zuvor, spoken word,   Hauch Acid, bzw. einer Mixtur aus mediterranem

deklamatorisch, fordernd, offensiv, scharf bis      Flair, Spuren von Flamenco, Balkan, und Surf,

Rap-ähnlich, z.T. rhythmisch zusätzliche Akzente    Rock und Poesie – wesentlich kontrastreicher als

setzend. E-Gitarren besitzen keinen großen          sonst, wozu zudem Akzente von Akustik-Gitarre

Stellenwert, aber der Bass glänzt phasenweise!      und Trompete gehören. Ein rundum schlüssiges

Drums vermischen sich mit Percussion/Talking        ausgezeichnetes Werk, klar zu empfehlen! Sie trug

Drums. Diverse Loops werden integriert, jede        übrigens nebenbei zum Artwork, zur Produktion

Menge repetitive Elemente, manchmal viel Hall       und den Arrangements ihren Anteil bei, und scheut

und Echo, phasenweise klingt es minimalistisch      auch nicht vor politischen Aussagen zurück. (dvd)

(von den Rhythmus-Spuren abgesehen).                Bixiga 70 –

Futuristisches Afrika trifft auf westliche (Beat-   Quebra Cabeca       24,75/15,75

und Sound-basierte) Avantgarde bzw. sowas wie       2-LP (+DLC)/CD. 18er, 9-köpfige Gruppe mit 4

Post Wave-Experimente, bei 2 Stücken fielen mir     Bläsern aus Brasilien. „African-Brazilian Music“

gar die Residents spontan ein (aktualisiert und     nennt es die Instrumental-Band selbst, genuin bra-

rhythmusbetonter), es gibt Dub-Einflüsse. Und       silianische Musik höre ich auch wenig. Eigentlich

viel dunkle mehrfach total faszinierende            klingen sie oft ziemlich eigenständig in ihrer

Atmosphären, partiell mysteriös, gar bedrohlich,    Verknüpfung/Fusion diverser Einflüsse, zugleich

sporadisch auch starke Kontraste, kurz kommt die    voller Grooves und Melodien – für Letztere sorgt

Musik zum Stillstand… Völlig abgedrehtes Zeug       die Bläsersection, und deren melodischer Gehalt

ist dabei, wie gesagt: Sowas hab ich noch nie       ist beträchtlich, phasenweise so reichhaltig wie

gehört… Stücke wie Nyari Garong, Ndanane,           bestechend! Die Stücke sind einerseits sehr sorg-

Kaddy sind klasse! (dvd)                            sam aufgebaut/komponiert, die Bläser häufig

Gaye Su Akyol – Istikrarli                          wunderbar mehrschichtig verwoben/arrangiert,

Hayal Hakikattir          17,75/15,75               lassen daneben einigen Raum für Improvisationen

LP (+DLC)/CD. 18er der fabelhaften türkischen       (wobei die Gitarre gern nur akzentuiert, das aber

Singer-Songwriterin. Nunmehr wirkt ihr              kongenial). Zur knappen Hälfte ist ein analoger

Türk/Orient-Rock (sporadisch auch eher weicher      Synthie dabei, mit einigen auffälligen Szenen, mal

dezent verträumter Orient Pop, die westlichsten     punktierend, mal massiver, blubbernd, zischend,

Stücke hier, 1x mit 60s-Touch; oder eine Art        sirrend, irrlichternd, sirenenartig, manchmal auch

                                                    melodisch variierend, wie in den frühen 70ern.
   1   2   3   4   5   6   7   8   9   10   11