Page 7 - Mailorder Katalog
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Glitterbeat                                           7

Spannung. Dezent modernes Westafrika trifft            Massive Kontraste zwischen zarten/poetischen

Tuareg-Sounds in eher entspanntem doch rhyth-          Parts sowie stark anschwellendem dezent perkus-

misch reizvollem Groove… Zuweilen hypnoti-             sivem hypnotischem Zug (das meint das Label

sche Qualitäten! Textlich bildet oft ein humani-       wohl mit, Zitat, „dynamics of Post Rock“); oder

stisch geprägter Ruf nach einem besseren Mali,         leise Phasen treffen gemäßigt/in Wellenbewegun-

oder gleich der ganzen Welt die Basis – klingt         gen anschwellende rhythmisierte, mit abermals

manchmal ein bischen naiv, aber zugleich sympa-        hypnotischer (Sog-) Wirkung – total neuartig,

thisch. Und die Gitarren brillieren phasenweise -      experimentell, doch auf Anhieb packend (dabei

top (Rock-) Riffs, Aggressivität und Schärfe,          organisch anmutend, keine Dissonanzen). Dann

schön singende kurze Soli, Fuzz, dezent psyche-        ein ganz ruhiges getragenes meditatives beinahe

delische Einfärbungen… Ein klasse Album, eine          sakrales Wunderwerk von unglaublicher

dicke Empfehlung! (dvd)                                Schönheit (nur hier spielt sie eine Bambus-

Sonido Gallo Negro –                                   Mundorgel mit 17 Pfeifen, im Duo mit Vibrafon)

Mambo Cosmico            17,75/15,75                   – ein Traum! Korea Fehlanzeige. Die (z.T. noch

LP (+DLC)/CD. 18er der außerordentlichen Band          bessere!) B-Seite dagegen verarbeitet auf beste-

aus Mexiko. Cumbia, Mambo, Danzon und ande-            chende Weise durchweg (teils starke!) Jazzein-

re Latin-Formen (z.B. Cha Cha Cha) bilden die          flüsse, von wunderbar melodisch-lyrisch bis

Basis ihrer Musik, inklusive gelegentlicher kuba-      höchst intensiv (geradezu Free Jazz-artig kurzzei-

nischer Einflüsse. Genuin mexikanisch klingt nur       tig) und/oder höchst originell, koppelt sie mehr-

Weniges (v.a., wenn eine Trompete auftaucht),          fach mit Minimal Music- bzw. einer Art Gamelan-

Kolumbien ist sowieso eine wichtige Quelle (oder       Elementen, natürlich (nicht immer) etwas Korea-

auch mal Peru, mittels dortiger Cumbia-                Folk-Tradition, verwendet einige stoische

Auffassung). Aber wie schon zuvor bleiben sie da       Rhythmen, generell immer wieder Kontraste dif-

beileibe nicht stehen, eigentlich bei fast keinem      ferierender Art (Rhythmus, Poesie und Melodie,

Stück. Oft begeistert, in ungewohnt hypnoti-           immens extrovertierte bis gar aggressive Phasen

schem/z.T. repetitivem, intensivem, treibendem         resp. extrem emotionale und leise, sanfte, für

oder relativ langsamem Rahmen und in wunderba-         Momente tauchen gar Drone-Sounds oder Laurie

rer Soundpracht (neben stets präsenter Orgel und       Anderson-Flair auf). Das pure ungeheuer span-

obligatorischer E-Gitarre Synthie, Vibrafon,           nende ungeheuer wirkungsvolle und großartige

Trompete, oder auch Synth, Flöte und Theremin)         Abenteuer! Dicke Empfehlung! (dvd)

eine starke (organisch wirkende, bis kongeniale)       dirtmusic –

psychedelische Durchdringung, anderswo eine            Bu Bir Ruya                      17,75/15,75

eher dezente (in bunter Vielfalt samt Karibik-         LP (+DLC)/CD. Chris Eckman und Hugo Race

Spuren, oder allein schon durch das herrlich far-      nahmen diesmal in Istanbul auf, zur Band gehört

benfrohe Klangbild), oder nur kurzzeitig eine psy-     nun (und ist hier unverzichtbar) Baba Zulas Murat

chedelisch-spacige Note samt Jam-Elementen             Ertel an akustischer Divan- und elektrischer Saz

(zwingend nach vorne). Das kommt klasse! In            (sowie z.T. Vocals), der die Gitarren von Eckman

weiteren Songs tauchen durch die Gitarre Surf-         und Race (schleifend, malend, trocken riffend,

Elemente auf (klar 60s-lastig in Verbindung mit        verzerrt, singend, verweht/verhallt, filigran, gern

Soundtrack-Anleihen und einem deutlichen Rock-         sanft sägend, Acid-artig – eine Menge Effekte)

Anteil; oder ziemlich wirbelnd, der Rockanteil         kongenial ergänzt, oder sie effektiv konterkariert.

geringer; in einer recht sentimentalen doch leicht     Neben Loops und Programming (einige Beats!)

aufgebrochenen/verfremdeten Ballade nur eine           kommen akustische (Ethno-) Percussion, Rhythm

kleine Prise Surf). Zwischendurch überrascht gar       Box, in 2 Stücken das außergewöhnliche elek-

ein Hauch Vorderasien, wenn auch nur punktuell.        trisch verstärkte selbstgebaute Streichinstrument

Doch, wie gesagt: Latin etc. ist stets die Basis, die  Yaybahar von Gast Görkem Sen (das sogar ähn-

Rhythmik entsprechend reichhaltig und ein              lich Keyboards/Synthie klingen kann) sowie die

Genuß. Zum Schluß gibt´s eine Art gemütlichen          Sängerinnen Gaye Su Akyol und Brenna

zugleich bestechenden Latin-Trance-Psyche mit          McCrimmon (1/2x) hinzu. Das hat zur Folge, daß

einigen tollen Sounds, quasi als Nachklapp/hidden      afrikanische Einflüsse von orientalischen ersetzt

Track wird´s (ausnahmsweise völlig bar jeder           wurden – in der Harmonik/Melodik der Saz (kurz

Rhythmik) gänzlich kosmisch-psychedelisch-spa-         zudem einer Gitarre) z.B., ein paar

cig. Und auch melodisch wird einiges geboten,          Vokalbeiträgen, oder den beständigen Grooves der

obwohl viele Stücke zu großen Teilen instrumen-        Mehrzahl der Tracks (die, mit wechselndem

tal geprägt sind. Bei aller Vielfalt: Das Album        Anteil, Ost/Ethno- und West/Club-Grooves ver-

klingt über weite Strecken absolut homogen, rich-      schmelzen, mehrfach wunderbar hypnotisch wir-

tige „Stilbrüche“ fehlen nahezu. Und ich bin ins-      ken, mal stoisch, mal agil, mal im stetigen Fluß –

gesamt sehr angetan, einige Tracks finde ich ziem-     was zudem eine gute Beschreibung des Charakters

lich großartig. Vinyl kommt auf 180g, im               ganzer Songs abgibt -, bis hin zu einer gewissen

Klappcover. (dvd)                                      Kraut-Motorik!). Zu all dem gesellen sich punktu-

Park Jiha – Communion 17,75/15,75                      ell leichte Rock-Einflüsse, herrlich psychedeli-

LP (+DLC)/CD. 18er, aus Korea. Was für tolle           sches Feeling bei diversen Stücken (wenn auch

und innovative Musik! Ich liebe Entdeckungen           eher dezent gehalten, als integraler Bestandteil

komplett neu- und/oder andersartiger Klänge, vor       unter weiteren), oder auch ein toller langsamer,

allem, wenn sie so faszinierend daherkommen wie        dunkler, fast meditativer Trance-Track (viel

das hier. Jiha spielt Piri (eine Oboe-ähnliche Flöte)  Hall/Echo!), ein schwebend-verträumter Anfang,

und Yanggeum (hammered Dulcimer, von der               schließlich so etwas wie spooky Kammer-

Santur abstammend), ihre Begleiter Vibraphon,          Avantgarde voller geheimnisvoller Sounds/

Bassklarinette resp. Tenorsax und (farbige)            Effekte. Der Gesang kommt tendenziell zurück-

Percussion (je bei ungefähr der Hälfte dabei).         haltend, teils spoken, erhält seltener aber auch

Koreanische Folk-Traditionen spielen eine größe-       einen größeren Stellenwert, wirkt eindringlich –

re Rolle, ok, aber nur als Ausgangsbasis (v.a.         und transportiert gute Texte, zu Politik,

melodisch/soundmäßig), manchmal nicht mal das.         Menschlichkeit, z.B. dem Thema Flüchtlinge. Oft

Sie machen etwas völlig Originäres daraus („ver-       wunderbar atmosphärische Musik, für mich ihr

gessen“ auch schon mal Korea), ungewohnt/selt-         bislang bestes Werk, eine dicke Empfehlung

sam, doch (zumindest des Öfteren) irgendwie har-       (unabhängig vom Label!) (dvd) .

monisch, ergänzen, kombinieren verschiedene            ToodArt –

weitere (manchmal auch dominierende) Stilmittel.       Laissez Passer LP (+DLC)/CD         17,75/15,75

Im Einzelnen: Klare, durchdringende, dennoch           Saz'iso - At Least Wave Your Handkerchief At Me: The

ruhige bis meditative Klänge, entfernt Ambient-        Joys And Sorrows Of

verwandt, aber beweglich, Korea mächtig modifi-        Southern Albanian Song LP (+DLC)/CD 17,75/15,75

ziert – wie nichts anderes! 2x Korea meets

Minimal Music und doch absolut unterschiedlich:
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