Page 7 - November 2018
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Glitterbeat               7
           aufnahm und der sie punktuell schon mal produ-  Titel der Platte), 9 der 10 Stücke sind Traditionals
           zierte),  oder  eben  nicht.  Im  Zentrum  steht  die  –  aber  (hoch)modernisierte/aktualisierte,  mal
           Mbira (früher einsortiert unter „Daumenklavier“),  mehr, mal weniger. Die Vocals greifen oft auf typi-
           ein  Instrument  mit  22-28  Metallplättchen,  die  sche/traditionelle   (und   häufig   repetitive)
           gezupft  werden,  der  resultierende  Sound  ähnelt  Call/Response-Formen  zurück,  begleitet  von
           ein  bischen  der  Marimba.  Hinzu  kommt  Gumbri (ein Saiteninstrument), Gasbas (attraktive
           Percussion  (Shaker)  und  ihr  Gesang  (eher  rauh,  etwas kehlige partiell klasse rotierende oder wir-
           manchmal auf seltsame Art nonchalant, mal for-  belnde  Flöten)  oder  Zokra  (eine  Art  Oboe,  z.T.
           dernd,  ansatzweise  emotional  aggressiv,  die  hochgepitcht  kreiselnd,  relativ  scharf),  jeweils
           Melodik  singulär)  –  that´s  it.  Repetitiv  angelegt  wird auch auf Loops (bzw. Soundmanipulationen,
           (z.T.  auch  die  Vocals),  die  Mbira  im  ständigen  Samples)  zurückgegriffen. Vor  allem  die  Seite  1
           Fluß, straight in der Rhythmik (phasenweise auf  finde  ich  großartig,  phasenweise  richtig  erre-
           eigene Weise irgendwie Groove-artig) und in der  gend/aufregend,  Seite  2  nähert  sich  irgendwann
           Wirkung absolut hypnotisch, geradezu trancehaft  zunehmend  soundmäßig  (und  manchmal  auch
           (in der Tat war/ist das auch Zweck/Absicht). Das  rhythmisch,  die  Grooves  werden  einfacher)
           mit 8 Minuten längste der 8 Stücke (der Rest ist  europäischer elektronischer Club-Musik an, frei-
           weit kürzer) verfügt über einen sehr ausgeprägten  lich  nie  ohne  das  spezifische  nordafrikanische
           Refrain,  der  einen  beinahe  „Pop“-artigen  (Sog-)  Element, in punkto Gesang, Instrumentarium und
           Effekt hat, andere verzichten ganz auf einen sol-  Melodik  sowieso,  und  deshalb  stets  von  hohem
           chen, das alles wirkt ziemlich archaisch/ schama-  Reiz. Zum Schluß kommt ein wenig mehr arabi-
           nisch. Und komplett einzig, wie nichts sonst. Eine  scher   Touch   auf.   So   lasse   ich   mir
           dicke von Herzen kommende Empfehlung. 180g-  Modernisierungen  alter  Musikformen  und
           Vinyl. (dvd)               Elektronik-Einsatz gefallen, ein rundum gelunge-
           Yonatan Gat –              nes  exzellentes  Album,  eine  dicke  Empfehlung.
           Universalists    17,75/15,75  (dvd)
           LP (+DLC)/CD. Auf Tak:til. 18er, ein ganz außer-  Samba Toure – Wande 17,75/15,75
           gewöhnlicher  Gitarrist  aus  Israel/New  York,  LP  (+DLC)/CD.  18er  des  tollen  Singer-
           David Berman (Silver Jews) produzierte (1x half  Songwriters und Gitarristen aus (Nord-) Mali. Er
           Steve  Albini).  Ein  kleines  Wunderwerk  voller  sagt, er wollte diesmal eigentlich stärker zu alten
           hochorigineller bis ziemlich abgefahrener Überra-  Traditionen  zurückkehren  –  passiert  ist  eher  das
           schungen:  Hard-Prog-Surf  mit  Jazz-Spuren  oder  Gegenteil:  Mehr  Rock-  und  Blues-Einfluß  (frei-
           so,  rasant  und  stürmisch.  Vertrackt-eigenartiger  lich nicht durchweg), weniger akustische Saiten-
           Avant-(Jazz-)Rock. Rock, sakrale Gesänge, höch-  Verzierungen. 2, sporadisch auch 3 immens effek-
           ste Intensität, gehackte Versatzstücke in rockigem  tive  E-Gitarren  sind  omnipräsent  (und  wirken
           Rahmen, Spuren von Surf und ungeheurer Klang  ökonomischer, klarer als früher, oft repetitiv-moti-
           (farben)reichtum in einem. Eine Art Modern Jazz  visch geprägt), nur gelegentlich taucht eine Ngoni,
           (R´n´B)  Rock  (aktualisierte  Back  Door?!)  von  Akustikgitarre  oder  Kora  (?)  auf  (das  allerdings
           polyphonen grell-strahlenden (irgendwie „Opern-  auf bestechende Weise); und in knapp der Hälfte
           Folk“-artigen)   Power-Vocals   überlagert.  der Stücke der z.T. herrlich durchdringende Klang
           Brennender/ekstatischer/explosiver  Free  Rock,  der Sokou (afrikanische Geige), manchmal quasi
           unvermittelt  gefolgt  von  einer  unbegleiteten  im  ausnehmend  attraktiven  call-response-Spiel
           berührenden  Sängerin  und  leiser  sanfter  mit  den  Gitarren.  Die  Bandbreite  der  Songs  ist
           Klangmalerei.  Indianische  Vocals/Chor  und  beträchtlich:  Afro-Blues  (mit  z.T.  verblüffend
           Rhythmen werden apart von E-Gitarre punktiert.  hohem Blues-Anteil) in schleppendem packendem
           Diffiziler  komplex-leichtfüßig-flexibler  Neo  Groove, luftig doch (phasenweise) mächtig inten-
           (Prog?)  Rock  mit  Jazz-Spuren.  Köstlicher  redu-  siv, schnörkellos und relativ reduziert (wie so eini-
           ziert-elektrischer (Ethno-) Folk. Sporadisch gibt´s  ges  hier).  Dezent  angerocktes/fließendes  elektri-
           Mars  Volta-Ähnlichkeiten,  kurz  gar  Gamelan-  sches (Songwriter-) West-Afrika. Mehr Rock als
           Anleihen, die Gitarre (die die instrumentale Seite  Afrika (irgendwie funky, auch hier ein mitreißen-
           dominiert, selten von Keyboards, kurz Sax unter-  der  Groove)  gibt´s  im  ziemlich  scharfen  rhyth-
           stützt)  ist  extrem  variabel,  häufig  brillant!  Und  misch  äußerst  akzentuierten  Yerfara.  Einige
           diverse  Samples  sind  enthalten  (v.a.,  nicht  nur,  Balladen kommen faszinierend atmosphärisch, ob
           vokale). Ungemein agile, teils quirlige, ereignis-  sehr  sparsam  und  pur  westafrikanisch,  bluesig
           reiche,  in  dieser  Form  ziemlich  einzige  Musik!  oder relaxt fließend und einfach wunderschön im
           (dvd)                      feinst verzahnten akustisch/elektrischen Gitarren-
           Ammar 808 –                Bett.  Polyrhythmischer  Afro  Rock  (mit  unter-
                                      schwelligem  R´n´B-Touch)  hält  eine  innere
           Maghreb United                       17,75/15,75  Spannung.  Dezent  modernes  Westafrika  trifft
           LP  (+DLC)/CD.  18er.  Ein  (Afro-)  Projekt  von  Tuareg-Sounds  in  eher  entspanntem  doch  rhyth-
           Sofyann  Ben  Youssef,  Producer/Keyboarder  der  misch  reizvollem  Groove…  Zuweilen  hypnoti-
           tollen  Bargou  08-LP  (ebenfalls  auf  Glitterbeat),  sche  Qualitäten!  Textlich  bildet  oft  ein  humani-
           wo er wichtigster Mitstreiter des dortigen Leaders  stisch  geprägter  Ruf  nach  einem  besseren  Mali,
           war. Hier produzierte er, arrangierte, konzipierte,  oder  gleich  der  ganzen  Welt  die  Basis  –  klingt
           ist zuständig für Electronics/Synths/Effekte – die  manchmal ein bischen naiv, aber zugleich sympa-
           sehr  gezielt/punktuell,  teils  sparsam,  aber  unge-  thisch. Und die Gitarren brillieren phasenweise -
           mein  effektiv/wirkungsvoll  eingesetzt  werden  top  (Rock-)  Riffs,  Aggressivität  und  Schärfe,
           (gern  z.B.  dunkel-monoton  im  tiefsten  Bereich,  schön singende kurze Soli, Fuzz, dezent psyche-
           aber  auch  leicht  abenteuerlich),  sowie  das  delische Einfärbungen… Ein klasse Album, eine
           Programming der Rhythmen mittels der berühm-  dicke Empfehlung! (dvd)
           ten analogen Drum-Machine TR 808 – daher der
           Bandname -, die Percussion klingt in den höheren  Sonido Gallo Negro –
           Frequenzen   ziemlich   „echt“,   in   den  Mambo Cosmico      LP (+DLC)/CD            17,75/15,75
           tieferen/dumpfen  tendenziell  „elektronisch“;  und  Park Jiha – Communion  LP (+DLC)/CD      17,75/15,75
           insgesamt irgendwie „natürlich“, als müßte es so  Dirtmusic –
           sein).  Im  Zentrum  steht  zum  einen  der  Groove:  Bu Bir Ruya     LP (+DLC)/CD                     17,75/15,75
           Ein  packender,  mächtig  treibender  bis  rasanter  ToodArt –
           knallender,  anfangs  dezent  vertrackter  bis  schon  Laissez Passer    LP (+DLC)/CD                  17,75/15,75
           mal polyrhythmischer, später eher einfacher. Zum  Saz'iso - At Least Wave Your Handkerchief At Me: The
           anderen  die  Sänger  aus  3  Ländern  (Tunesien,  Joys And Sorrows Of
           Algerien,  Marokko;  u.a.  vorher  für  Fatoumata  Southern Albanian Song LP (+DLC)/CD      17,75/15,75
           Diawara,  Natacha  Atlas  und  Robert  Plant-Spezi  Abatwa (The Pygmy) – Why Did We Stop
           Justin  Adams  tätig),  was  auch  die  Wurzeln  Growing Tall?  LP (+DLC)/CD                      17,75/15,75
           bezeichnet,  aus  denen  geschöpft  wird  (siehe  der  Jupiter & Okwess –
                                      Kin Sonic      LP (+DLC)/CD                            17,75/15,75
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