Page 8 - Juni 2020
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                      glitter
                                             beat
















           "Vibrant  music  from Africa  and  beyond"  ist  Sehnsucht nach Heimat, Vereinigung, nicht ohne
           das  Motto  des  Glitterhouse-Ableger-Labels  politische  Konnotation,  einige  auf  Frieden,
           Glitterbeat.              Verurteilung von Hass (allgemein wie im selben
                                     Kontext,  das  wirkt  schon  mal  fast  ein  bischen
           Tamikrest –               sympathisch hippie-esk), 2 Love-Songs kommen
           Tamotait                              17,75/14,75  hinzu.  All  in  all:  Absolut  klasse,  eine  große
           LP  (+DLC)/CD.  20er.  Okay,  alle,  die  das  hier  Empfehlung,  auch  und  gerade,  weil  insgesamt
           lesen  und  sich  nur  halbwegs  für  Tuareg-Musik  wieder etwas „anders“. (dvd)
           interessieren,  kennen  die  Band  und  wissen  in  orkesta mendoza –
           etwa, was sie erwartet. Also beschränke ich mich  Curandero  17,75/14,75
           diesmal  auf  die  spezifischen  Besonder-  LP/CD.  20er.  Band  aus  Tucson  von  Calexico-
           heiten/(nicht  substanziellen)  Veränderungen  die-
           ses erneut tollen Albums (mit Verweis auf meine  Mitglied  Sergio  Mendoza,  viele  Band-Member
                                     sind mexikanischen Ursprungs, wie auch diverse
           Beschreibungen/Lobpreisungen all der Vorgänger
           auf unserer website). Neben dem Gesang (der im  Gäste,  zu  denen  wiederum  auch  einige  aus  dem
                                     Calaxico- und Giant Sand-Umfeld stammen; u.a.
           Übrigen nur ab und zu von Call/Response-Vocals
           oder  Chören  unterstützt  wird,  keinerlei  sind Joey Burns, Carrie Rodriguez (siehe u.a. ihre
                                     tollen LPs mit Chip Taylor), Moira Smiley, Marco
           „Tirilieren“  mehr  inzwischen)  dominieren  wie
           gewohnt  die  E-Gitarren  (akustische  sind  besten-  Rosano (Dylan, Calexico, Tom Russell), Depedro,
                                     Brian Lopez, Devotchka-Chef Nick Urata dabei.
           falls unterstützendes Beiwerk, abgesehen von ein
           paar kurzen Momenten und dem letzten Stück) –  Es vermischen sich Einflüsse aus Mexiko, Kuba,
                                     Karibik,  Reggae  (1x  ziemlich  massiv,  anderswo
           und  die  sind  oft  melodiöser  denn  je  gehalten,
           mehrfach  auch  weit  abseits  typischer  Tuareg-  nach  Police-Art),  Soca,  Boogaloo,  Cumbia,
                                     Dancehall,  Mariachi  u.a.  zu  einem  kunterbunten
           Harmonik (zudem weicht die Rhythmik ein paar
           Mal  deutlich  von  traditionellen  Strukturen  ab!).  Mix  in  immer  neuen  Kombinationen,  Latin-Pop
                                     mit  50s-Spuren  wie  etwas  modernerer  (mit
           Entsprechend gibt es zwar nicht so viele einzel-
           ne/punktuelle   unterschiedliche   stilistische  Traditionsbewußtsein)  kommt  genauso  vor  wie
                                     Latin-Groove-Rock  bzw.  Latin-Rock-Infusionen
           Sidesteps wie zuletzt, aber es klingt alles in allem
           im  Sound/dem  ganzen  Klangbild  etwas  „westli-  alter  Schule  oder  gar  eine  Art  uralter  Latin-
                                     Exotica-Mix  (Martin  Denny/Esquivel…),  hier
           cher“ (doch keineswegs verwässert), Drums und
           Percussion  agieren  großteils  gemeinsam  (erstere  kommt mal ein Schuß (aktualisierter Groove-ver-
                                     stärkter)  Garage-Rock  hinzu,  dort  eine  Prise
           fehlen  nur  2x,  dominieren  jedoch  meist),
           Keyboards  werden  manchmal,  sparsam  und  rein  60s/50s-Guitar   Pop   oder   Desert   Rock.
                                     Entsprechend breit ist das Instrumentarium, aku-
           unterstützend, eingesetzt. Auf der einen Seite ste-
           hen  2  rund  und  fett  rockende  Tracks  (inkl.  sehr  stische/elektrische   Saiten   und   Tasten,
                                     Trompete/Bläser,  Geige/Streicher,  sogar  Steel
           Rock-nahe  gespielter  Gitarren),  groovend  der
           eine, total und sehr schnell abziehend der andere,  Drums… Ergibt oft kraftvolle enorm süffige/voll-
                                     mundige  aber  auch  etwas  luftigere  Sounds.
           packend und voller Power (in der Tat hab ich sie
           nach  meiner  Erinnerung  so  konsequent  rockig  Verschiedene  Sänger/innen,  ein  paar  dezente
                                     Soundeffekte (resp. Synths/spacige Klänge), und
           noch  nie  gehört).  Auf  der  anderen  Seite  gibt´s
           gleich  erstaunliche  5  ruhige  Songs,  vornehmlich  immer wieder ansteckende/eingängige Stücke, die
                                     durchweg  kurz/konzentriert  und  songorientiert
           balladesk (oder sanft rollend-fließend), irgendwo
           zwischen sowas wie, hmm, „Tuareg Dream Pop“,  ausfallen. Und bestgelaunt! (dvd)
           einer sanften phasenweise regelrecht meditativen  lina_ raül refree -
           zugleich hypnotischen Ausstrahlung (die in einem  Lina_ Raül Refree  17,75/14,95
           Fall allerdings ganz langsam aber stetig verdichtet  LP  (+DLC)/CD.  20er.  Lina  ist  ein  Fado-Star  in
           und  somit  verändert  wird,  im  anderen  geschieht  Portugal,  gesegnet  mit  einer  fabelhaften,
           dies  plötzlich)  sowie  einem  schon  ziemlich  ver-  berührenden, emotional packenden Stimme. Und
           träumten  Flair;  mal  ein  bischen  Folk-Feeling.  bricht  hier  aus  den  gewohnten  traditionellen
           Gerade  in  diesen  Stücken  kommt  natürlich  die  Schemata  aus,  mit  Hilfe  von  Produzent/Musiker
           Melodiösität  der  (weichen/filigranen  teils  becir-  Refree,  gesanglich/melodisch  ihren  Ursprüngen
           cend  schönen)  Gitarren  besonders  zur  Geltung,  treu, in der Begleitung radikal anders. Refree hat
           eines  besticht  außerdem  durch  ein  wundervolles  in der Beziehung Erfahrung (neben Jobs für v.a.
           Duett  mit  der  marokkanischen  Sängerin  Hindi  Lee  Ranaldo),  unterzog  den  Flamenco  der
           Zhara  (kurz  eine  Spur  psychedelisch).  Nur  2  Sängerin  Rosalia  einer  weltweit  beachteten  zeit-
           Tracks wirken „klassisch“ wie zu ihren Anfängen,  genössischen  aufregenden  Frischzellenkur,  fun-
           traditionell  orientiert,  einer  kraftvoll  inklusive  giert als alleiniger so einfühlsamer wie innovati-
           einem kurzen bluesigen Slide-Feature, einer eher  ver Begleiter, angemessen reduziert/mit viel Luft
           zurückhaltend  mit  fein  singender  Gitarre  (ein  angesichts  der  Qualität  des  Gesangs,  verwendet
           bestechendes  etwas  längeres  Solo).  Die  Texte  fast  beständig  verschiedene  Synthies  (als  leiser
           beziehen sich oft auf das Los der Tuaregs, deren  „mysteriöser“ Vorhang, grundierend bis tropfend
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