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                      glitter
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                                             beat


















           "Vibrant  music  from Africa  and  beyond"  ist  oder im zwingenden hypnotischen Fluß, mehrfach
           das  Motto  des  Glitterhouse-Ableger-Labels  (dezent oder massiv) repetitiv. Manchmal hyper-
           Glitterbeat.               modern wirkende Musik von großer Bandbreite:
           Aziza Brahim – Sahari  17,75/15,75  Schillernder  Space-(Afro-)Synth-Indie-Pop  mit
                                      quecksilbrig perlenden/psychedelischen Gitarren,
           LP (+DLC)/CD. 19er. Die Exil-Sahraui (eine mau-  abenteuerlicher hochaktueller Afro-Indie-Electro-
           retanische  Ethnie,  in  der  Musik  seit  jeher  eine  Dub-Stoff,  Afro-Groove  Rock  mit  reizvollsten
           große  Bedeutung  genießt)  verbindet  Nord-  und  atmosphärischen   Breaks,   scharfsplittrige
           (mehr) West-Afrika in ihrer ganz eigenen Singer-  Gitarreneinwürfe treffen ein bischen Drum´n´Bass
           Songwriter-Sprache, ihre wunderbar phrasierende  und  Pere  Ubu  und  tradierte Afro-Gesänge  (oder
           Stimme,  z.T.  dezent  arabisch  getönt,  klar  und  so),  zeitgemäßer  Afro-Blues-Psychedelia-Rock
           höchst  souverän,  begeistert  ein  weiteres  Mal!  (eingängig  und  tolle  Effektgitarren!),  dasselbe
           Dabei besitzt sie musikalisch für diese Musik eine  ohne Blues, dafür flirrend, eine Afro-Reggae-Pop-
           ungewöhnlich große Spannbreite: Mal verwendet  Mixtur  mit  Psyche-Schlieren,  schroffer  dunkler
           sie sehr deutlich westlich beeinflußte/aktualisierte  Club-Elektro-Rock  abseits  aller  Afrika-Pfade,
           Traditionen (wobei sie sporadisch selbst vor frei-  vielfältiger   Trad-grundierter   Afro-Rock…
           lich  dezenten  und  ganz  „natürlich“  wirkenden  Vielschichtig,  ideenreich  gestaltet,  zusammenge-
           unaufdringlichen  Electro-Beats,  kombiniert  mit  setzt und arrangiert, Electronics/Effekte super ein-
           der gewohnten Percussion, nicht zurückschreckt),  gesetzt  (Hall/Echo  inklusive),  offensiver  aus-
           besonders weit geht sie in 2 Stücken, die Roots-  drucksstarker Lead-Gesang samt mehrschichtigen
           Reggae-Elemente entweder nahtlos einfließen las-  teils  klasse  verschachtelten  Backing  Vocals/klei-
           sen  (in  elegant-geschwindem  Fluß/Groove)  oder  nen Chören (punktuell zudem manchmal mehrere
           gar pur zelebrieren (relaxt, im weiblichen Duett).  gleichberechtigte Lead-Vocals). Ein ganz hervor-
           Anderswo  klingt  es  ziemlich  kraftvoll,  ja  schon  ragendes Album! Vinyl im Klappcover. (dvd)
           etwas rockig, samt kleiner Tuareg-Anleihen (nicht  Baba Zula – Derin Derin 17,75/15,75
           vordergründig).  Letztere  tauchen  (in  geringem  LP/CD. 19er der Band aus Istanbul (in der Türkei
           Umfang) ein weiteres Mal auf, im Verein mit einer  oft indiziert). Türkischer/Orient Rock vielfältiger
           eingängigen/melodisch  packenden  besonderen  Art mit immer wieder ganz massiver (und begei-
           Sorte Afro (Groove) Pop. Auf der anderen Seite:  sternder!) psychedelischer Note bzw. in einer Art
           Ein urtraditionell wirkendes Stück, weich, einneh-  Acid-Form,  zudem  teilweise  von  starken  Hall-
           mend,  poetisch,  der  Gesang  nur  von  Percussion  und  Echo-Effekten  sowie  flirrender  Elektronik
           begleitet.  Hinzu  kommen  diverse  Balladen,  eine  unterstützt. Im Zentrum (neben dem Gesang) ste-
           schöner als die andere: Als so etwas wie nordafri-  hen  jedoch  die  tollen  multiplen  elektrischen
           kanischer  Songwriter-Folk  (poetisch,  ein  Hauch  Saitengeflechte  (und  Soli)  aus  Oud,  Saz  und
           Blues, fast schon catchy), ganz sachte, lyrisch und  Gitarre  (oft  zwar  ergänzt  von  akustischen,  doch
           reduziert (gleichfalls folkig anmutend), federleicht  die spielen im Soundspektrum kaum einmal eine
           in  schnellerem  Tempo  (bestechend!),  oder  sanft  größere Rolle), säurehaltig, verzerrt, Fuzz, Wah-
           und einfach herrlich, atmosphärisch verzaubernd.  Wah  etc.,  punktuell  von  Synthie  ergänzt.  Viele
           Neben  dem  Schlagwerk  bevorzugte  Begleitung:  Songs  sind  in  Grooves  eingebettet,  doch  selten
           Akustische und (noch mehr!) elektrische Gitarren,  „plakativ“/alles  dominierend,  zudem  rhythmisch
           die  weich-gleißend,  ungeheuer  zart,  Wah-Wah-  variabel  mit  mehr  Brüchen  als  früher  (wenn  ich
           verziert,  filigran,  hinreißend  feinfühlig  oder  mich  richtig  erinnere),  mit  Mut  zur Atempause;
           quecksilbrig ausfallen. Backing (Harmony) Vocals  natürlich  gern  nahöstlich  geprägt,  manchmal  in
           begleiten  effektvoll.  Ein  ganz  exzellentes  Werk!  „modernerer“  Ausführung,  auch  eher  Rock-
           Vinyl im Klappcover. (dvd)    Groove-Tendenzen,  dabei  locker-relaxt  federnd,
           Bantou Mentale –           diffizil, lässig-entspannt, in einer Art Trance, ein
           Bantou Mentale   23,75/15,75  wenig  dubbig  (insgesamt  ist  der  Dubeinfluß
           2-LP  (+DLC)/CD.  19er.  Aus  dem  Kongo,  aber  jedoch  ziemlich  gering),  gar  mal  programmierte
           nicht wirklich typisch dafür, auch wenn es spora-  irgendwie technoide beinahe manische Beats, dif-
           disch  Parallelen  zu  den  „Congotronics“-Sachen  ferenzierte Percussion (nicht Drums) gibt den Ton
           (Konono No.1 etc.) gibt. Sondern ein sehr eigener  an…  Hinzu  kommen  ruhige,  luftige,  filigrane,
           komplett  elektrischer  zeitgenössischer  Umgang  dunkel-spookige,  poetische,  kurzzeitig  sogar
           mit Traditionen der Heimat (die brillant verwoben  dezent   kontemplative   resp.   meditative
           werden, schon mal komplett entfallen, ansonsten  Stücke/Phasen,  man  könnte  sie  Ethno/Orient-
           vornehmlich  im  Gesang  auftauchen  bzw.  in  Space nennen (und spacy klingt so einiges!). Nicht
           Grooves/Polyrhythmen  enthalten  sind),  urban,  ohne  gewisse  Popelemente  hier  und  da  (auf  der
           durchzogen  von  diversen  Club-Beats/westlichen  anderen  Seite  sporadisch  fast  experimentell
           Grooves (nicht nur, wie gesagt: Auch afrikanische  rockig). Auffällig: Die Stücke sind diesmal maxi-
           Elemente),  schwer  bis  hackend,  leichtfüßig  tan-  mal 5 Minuten lang (ein paar Instrumentals sind
           zend  bis  schleppend,  schnell  und  nervös,  relaxt  darunter). Klasse Album, klar. Vinyl 180g. (dvd)
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